Meister Ouyi erläutert die Nianfo-Methode
Die Praxis der Buddha-Rezitation ist nichts Besonderes. Alles, was sie verlangt, ist tiefes Vertrauen und anhaltenden, ernsthaften Eifer – das ist der Kern.
Die Praxis der Buddha-Rezitation ist nichts Besonderes. Alles, was sie verlangt, ist tiefes Vertrauen und anhaltenden, ernsthaften Eifer – das ist der Kern.
Der Buddha Shakyamuni sprach:
"Wenn ein Mensch einfach den Namen Amitabha Buddhas rezitiert, so nennen wir dies das höchste, tiefgründige und wundersame Chan."
Meister Zhizhe der Tiantai-Schule sprach:
"Die vier Formen des Samadhi sind alle als Buddha-Rezitationssamadhi bekannt, und dieses Buddha-Rezitationssamadhi ist der König aller Samadhis."
Meister Lianchi von Yunqi sprach:
"Dieser eine Ausdruck ‚Amitabha Buddha‘ durchspannt die Fünf Perioden und Acht Lehrsysteme und umfasst die Fünf Häuser des Chan vollständig."
Schade, dass die Menschen heutzutage die Buddha-Rezitation als belanglose Übung abtun, die nur für einfache, ungebildete Leute tauge. So bleibt ihr Vertrauen oberflächlich, ihre Praxis halbherzig, und sie lassen ihre Tage in müßiger Zerstreuung verrinnen, ohne das Werk des Reinen Landes je zu vollenden.
Wer die Fähigkeit zu geschickter Übung hat und dieses Buddha-Rezitationssamadhi tief verstehen möchte, greift sogleich zum Koan „Wer ist es, der den Buddha rezitiert?" und hält es für die höchste Praxis. Dabei bemerkt er nicht, dass der rezitierende Geist dieses Augenblicks bereits jenseits der vier Extreme und frei von hundert falschen Ansichten ist. Es bedarf keiner bewussten Anstrengung, diese Irrtümer und verkehrten Denkweisen zu überwinden. Und auch der Buddha, der im gegenwärtigen Augenblick rezitiert wird, ist bereits jenseits aller emotionalen Bindung und frei von Unterscheidung – warum sich also mit leerem Gerede über Mysteriöses und Tiefgründiges abmühen?
Die Buddha-Rezitation verlangt nur, dass ihr ihr rückhaltlos vertraut und standhaft an ihr festhaltet. Nehmt diesen einen Ausdruck „Amitabha Buddha" und rezitiert ihn unablässig – sei es hunderttausend Mal am Tag oder fünfzig, dreißig oder gar dreitausend –, und haltet euch an die Regel, niemals auch nur eine einzige Zählung auszulassen. Übt so euer ganzes Leben lang und gelobt, niemals davon abzulassen. Wenn ihr auf diese Weise nicht im Land der Höchsten Glückseligkeit wiedergeboren werdet, dann sind alle Buddhas der drei Zeiten Lügner, die die Wesen täuschen. Einmal im Westlichen Reinen Land wiedergeboren, werdet ihr niemals von der höchsten Erleuchtung zurückfallen. Alle übrigen Dharma-Tore werden euch dann vollständig erschlossen und verwirklicht sein.
Springt nicht beliebig zwischen den Übungen hin und her: heute folgt ihr der Methode Meister Zhangs, morgen der von Meister Li. Wenn ihr auf Skripturgelehrte trefft, wollt ihr Sutren durchstöbern und Stellen abschreiben. Wenn ihr Chan-Praktizierende trefft, wollt ihr Koans untersuchen und Frage-und-Antwort-Wechsel führen. Wenn ihr Ordensleute trefft, wollt ihr die Mönchskutte anlegen und die Almosenschale tragen. Am Ende habt ihr überhaupt keinen klaren Weg mehr, eure Übung ein verworrenes, wirres Knäuel. Wisst ihr denn nicht, dass die höchsten Prinzipien der gesamten Tripitaka in der Buddha-Rezitation enthalten sind, sobald ihr die Rezitation Amitabha Buddhas gemeistert habt? Auch das innere Wesen der siebzehnhundert Koans, das Tor zum direkten Weg, findet sich in der Buddha-Rezitation. Die dreitausend Verhaltensweisen, die achtzigtausend feinen Übungen, ja selbst die dreifachen reinen Gelübde des Bodhisattva – all das ist in der Buddha-Rezitation zu finden.
Wenn ihr den Buddha wahrhaft rezitieren könnt und dabei alle Anhaftung an Körper, Geist und Welt um euch herum fahren lasst, ist das große Freigebigkeit. Wenn ihr den Buddha wahrhaft rezitieren könnt, ohne dass Gier, Hass oder Verblendung noch aufkommen, ist das große Sittlichkeit. Wenn ihr den Buddha wahrhaft rezitieren könnt und nicht länger an Vorstellungen von Selbst und Anderem klebt, ist das große Geduld. Wenn ihr den Buddha wahrhaft rezitieren könnt, ohne auch nur einen Augenblick zu unterbrechen oder andere ablenkende Gedanken einzulassen, ist das großer Fleiß. Wenn ihr den Buddha wahrhaft rezitieren könnt und nicht länger zerstreute, verblendete Gedanken nach Objekten der Anhaftung und Begierde jagen lasst, ist das großes Samadhi. Wenn ihr den Buddha wahrhaft rezitieren könnt und euch nicht von anderen abwegigen Übungen in die Irre führen lasst, ist das große Weisheit.
Schaut einen Moment ehrlich in euch hinein. Wenn ihr die Anhaftung an Körper, Geist und Welt noch nicht losgelassen habt; wenn Gedanken von Gier, Hass und Verblendung noch ungerufen aufsteigen; wenn Sorgen um Recht und Unrecht, Selbst und Anderes unablässig euren Geist füllen; wenn unterbrechende und vermischte Gedanken noch nicht aufgelöst sind; wenn zerstreute, verblendete Gedanken noch immer nach Begierdeobjekten jagen; wenn allerlei andere abwegige Übungen euren Geist und eure Absicht noch immer ablenken können – dann könnt ihr nicht als wahrer Praktizierender der Buddha-Rezitation gelten.
Wollt ihr den Zustand des Einpunktigen Geistes erreichen, frei von Verwirrung, so gibt es keinen anderen Weg. Wenn ihr zu üben anfangt, solltet ihr eine Gebetskette verwenden, eure Rezitationen klar zählen und ein tägliches Pensum festlegen, das ihr niemals unterschreitet. Habt ihr lange Zeit so geübt, ist die Buddha-Rezitation euch in Fleisch und Blut übergegangen, und ihr werdet rezitieren, ohne es überhaupt zu versuchen. Dann ist es einerlei, ob ihr zählt oder nicht. Wer aber von Anfang an mit gelehrten Worten prahlen, Ungebundenheit vortäuschen oder sich stellen will, als sei er bereits frei und gelassen, der hat stets nur allzu flaches Vertrauen und allzu halbherzige Praxis. Selbst wenn ihr die gesamte Tripitaka dozieren oder die Wendungen von siebzehnhundert Koans drehen könnt – all das sind immer noch Dinge am Ufer von Geburt und Tod; wenn der Augenblick des Todes kommt, habt ihr nichts davon. Bewahrt dies wohl!
— Übersetzt aus dem Umgangschinesisch des Dharma-Meisters Faxuan