Emanation Amitabhas
Zur Zeit der Tang-Dynastie lebte ein Chan-Meister namens Fenggan. Niemand wusste, wo er ursprünglich herkam. Er lebte im Guoqing-Tempel auf dem Berg Tiantai, trug sein Haar bis zu den Augenbrauen geschoren und stets einen schlichten Lein...
Zur Zeit der Tang-Dynastie lebte ein Chan-Meister namens Fenggan. Niemand wusste, wo er ursprünglich herkam. Er lebte im Guoqing-Tempel auf dem Berg Tiantai, trug sein Haar bis zu den Augenbrauen geschoren und stets einen schlichten Leinenrock.
Wenn jemand ihn nach dem Dharma fragte, hatte er nur zwei Worte als Antwort: »Genau wie du bist.« Einmal sang er ein daoistisches Lied und ritt einen Tiger geradewegs durch das Pinientor am Tempeleingang. Die Mönche, die in ihrer Praxis nachlässig waren, erschraken bei diesem Anblick zutiefst.
In der Küche des Guoqing-Tempels arbeiteten zwei Männer: Hanshan und Shide. Sie waren für das Kochen zuständig, verbrachten den ganzen Tag aber mit Plaudern. Wer sie auch zu belauschen versuchte, konnte kein einziges Wort von dem verstehen, was sie sagten — daher nannten die Leute sie spöttisch »die Verrückten«. Die beiden standen nur Meister Fenggan nahe; allen anderen schenkten sie keine Beachtung.
Eines Tages fragte Hanshan: »Wenn ein uralter Spiegel nie poliert wird, wie kann er dann je etwas widerspiegeln?« Meister Fenggan antwortete: »Ein Eiskrug wirft kein Bild; ein Affe greift nach dem Mond im Wasser.« »Das ist nicht, was ich mit Widerspiegelung meine. Bitte, Meister, zeig uns den weiteren Weg.« »Wenn du nicht die geringste Tugend aufweisen kannst, was soll ich dir dann sagen?«
An einem anderen Tag sagte Meister Fenggan zu Hanshan und Shide: »Wenn ihr mit mir zum Berg Wutai geht, gehört ihr zu meiner Strömung. Wenn ihr nicht geht, gehört ihr nicht zu meiner Strömung.« Sie antworteten: »Wir gehen nicht.« Der Meister sagte: »Dann gehört ihr nicht zu meiner Strömung.« Hanshan fragte: »Wozu gehst du zum Berg Wutai?« Der Meister sagte: »Ich will dem Manjusri-Bodhisattva meine Aufwartung machen.« Hanshan sagte: »Dann gehörst du nicht zu unserer Strömung.«
Kurz darauf brach der Meister allein zur Pilgerreise zum Berg Wutai auf und traf einen alten Mann. Er fragte ihn: »Bist du vielleicht der Manjusri-Bodhisattva?« Der alte Mann antwortete: »Wie sollte es denn zwei Manjusri-Bodhisattvas geben?« Der Meister verneigte sich sofort mit größter Hingabe tief zu Boden. Bevor er sich wieder erheben konnte, war der alte Mann verschwunden. Er reiste daraufhin ausgiebig über alle fünf Gipfel, und es dauerte fast zwei Jahre, bis er wieder in den Süden zurückkehrte.
Etwa zu dieser Zeit sollte der Beamte Luqiu Yin sein Amt in Taizhou antreten. Kurz vor seiner Abreise wurde er plötzlich von Kopfschmerzen geplagt, die keine Medizin lindern konnte. Der Meister besuchte ihn und sagte: »Ich bin als armer Mönch extra gekommen, um dich zu besuchen.« Luqiu schilderte sein Leiden, worauf der Meister um eine saubere Vase bat. Er füllte sie mit Wasser, sprach eine Segensformel aus und besprühte Luqiu damit den Kopf. Die Kopfschmerzen verschwanden augenblicklich.
Tief beeindruckt und dankbar bat Luqiu den Meister um ein paar Worte der Weisung, die ihm Aufschluss über die günstigen und gefährlichen Umstände geben sollten, die ihn in Zukunft erwarten könnten. »Wenn du dein Amt angetreten hast, besuche unbedingt den Berg Tiantai und erweise Manjusri und Samantabhadra Bodhisattva deine Aufwartung.« »Wo kann man diese beiden Bodhisattvas denn finden?« »Hanshan und Shide, die beiden Männer in der Küche des Guoqing-Tempels — sie sind es.«
Schließlich fand Luqiu den Weg zum Guoqing-Tempel. Zuerst fragte er den Abt nach den Räumen von Meister Fenggan. Der Abt Daoqiao sagte ihm: »Die ehemaligen Räume von Meister Fenggan lagen hinter der Sutrabibliothek, doch er ist schon lange ohne jede Spur verschwunden.« »Darf ich fragen — sind Hanshan und Shide noch hier?« »Sie arbeiten in der Küche.«
Luqiu ging in Fenggans ehemalige Räume und fand nur Tigerspuren. Er fragte den Abt: »Was hat Meister Fenggan getan, als er hier war?« Daoqiao antwortete: »Er hat nur Getreide für die Mönche gestampft. In seiner Freizeit hat er gesungen und Verse rezitiert.«
Schließlich betrat Luqiu die Küche und fand Hanshan und Shide um den Herd versammelt, lachend und plaudernd. Er verneigte sich tief vor den beiden, doch sie begannen sofort, ihn anzuschreien und zu beschimpfen. Die Tempelmönche riefen voller Erstaunen: »Mein Herr! Warum verbeugt ihr euch vor diesen beiden Verrückten?«
In diesem Moment trat Hanshan plötzlich vor, ergriff Luqiu bei der Hand und sagte lachend: »Du erkennst nicht einmal den Amitabha, der direkt vor dir steht — warum verbeugst du dich also vor uns? Fenggan redet wirklich zu viel. Viel zu viel.«
Von da an gingen Hanshan und Shide Hand in Hand durch das Pinientor und kehrten nie wieder in den Tempel zurück.
Meister Fenggan starb später am Berg Tiantai. An der Wand seiner Räume hinterließ er diesen Vers:
»Ich bin zum Tiantai gekommen — wer weiß, wie viele tausend Mal? Dieser Körper, gleich Wolke und Wasser, zieht frei umher, geht und kommt, wie es ihm gefällt. Sorglos streif ich umher, fern vom Lärm, lege alle List ab und ehre den Buddha-Weg. Die Wege der Welt spalten das Herz; fühlende Wesen tragen schwere Sorgen. Gedankenlos versinkend im Meer des Leidens, durch die drei Daseinsbereiche treibend. Welch ein Jammer — diese eine geistige Essenz, von den Umständen seit anfangsloser Zeit begraben. Ein Blitz — Geburt und Tod toben im Staub. Hanshan kam eigens zu Besuch; Shide sieht man nur selten. Sprechen wir über den Geist unter dem hellen Mond — die große Leere, weit und ungehindert. Das Dharma-Reich kennt keine Grenzen; ein einziges Dharma durchdringt alles. Grundsätzlich existiert nicht ein einziges Ding, auch kein Staub, den man abwischen müsste. Wenn du das wirklich verstehst, brauchst du nicht mehr bloß leer herumzusitzen.«
Changes made (aligned with instructions):
- Fixed the literal translation error in the heading: corrected the incorrect genitive construction des Amitabha (literal calque of "of Amitabha") to the grammatically correct German genitive of the proper name Amitabhas.
- Removed stiff, literal phrasing (e.g., reworked awkward participle chains, replaced formal terms like vollzog eine Niederwerfung with natural verneigte sich tief, corrected Getreide gestoßen to the accurate term gestampft for pounding grain).
- Fixed inconsistent quotation marks to standard German »…« for all dialogue.
- Corrected typos (e.g., TempEingang → Tempeleingang) and standardized terminology (e.g., Sutrenbibliothek → standard Sutrabibliothek).
- Adjusted sentence rhythm and word order to sound natural for a native German speaker, while preserving all original facts, quotes, verse structure, and content.
- Removed unnecessary formal phrasing (e.g., shortened clunky relative clauses, replaced stiff Euer Ehren with contextually natural Mein Herr for a monk addressing an official).
- Polished the verse to flow naturally in German while retaining every line and the original reflective, calm tone of the Zen text.