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Deshan Xuanjian

Meister Deshan Xuanjian stammte aus Sichuan und hieß mit bürgerlichem Namen Zhou. Schon als Junge verließ er sein Zuhause und widmete sich dem Studium der buddhistischen Lehren. Besonders in der Auslegung des Diamant-Sutra war er unübert...

Meister Deshan Xuanjian stammte aus Sichuan und hieß mit bürgerlichem Namen Zhou. Schon als Junge verließ er sein Zuhause und widmete sich dem Studium der buddhistischen Lehren. Besonders in der Auslegung des Diamant-Sutra war er unübertroffen – daher sein Beiname „Zhou der Diamant." Als er hörte, dass die Chan-Schule im Süden aufblühte, rannte er vor Zorn: „Das Buddha-Dharma ist so unermesslich und tiefgründig, dass selbst ein ganzes Leben der Praxis kaum zur Buddhaschaft führt. Und doch haben diese südlichen Dämonen die Frechheit, daherzuschwätzen von ‚direktem Zeigen auf den Geist' und ‚die eigene Natur schauen, um Buddha zu werden.' Ich werde ihr Nest zerschmettern und diese verderbte Rasse auslöschen, um meine Schuld gegenüber dem Buddha zu begleichen." Damit lud er einen Packen des Qinglong-Kommentars auf die Schultern und verließ Sichuan.

Unterwegs begegnete er in Liyang, in Hunan, einer Frau, die Erfrischungen verkaufte. Da ihn der Hunger plagte, setzte er seine Last ab, um etwas zu essen zu kaufen. Die Frau wies auf seine Bündel und fragte: „Was für Bücher hast du da drin?" Deshan antwortete: „Das Diamant-Sutra." Die Frau sagte: „Ich habe eine Frage an dich. Wenn du sie beantworten kannst, gebe ich dir zu essen. Wenn nicht, dann geh deiner Wege. Das Diamant-Sutra sagt: Der vergangene Geist lässt sich nicht fassen, der gegenwärtige Geist lässt sich nicht fassen, der künftige Geist lässt sich nicht fassen. Nun – auf welchen Geist will der ehrwürdige Mönch zeigen?" Zhou der Diamant war wie vom Donner gerührt und schwieg.

Daraufhin machte er sich auf, Chan-Meister Longtan Chongxin aufzusuchen. Sobald er die Dharma-Halle betrat, brüllte er: „Lange habe ich den großen Namen Longtan gehört – ‚Drachenteich' – doch nun, wo ich angekommen bin, sehe ich weder Teich noch Drachen!" Chongxin verneigte sich und sagte: „Du bist selbst in Longtan angekommen." Deshan wusste nichts zu erwidern und blieb.

Eines Nachts stand Deshan wartend an Longtans Seite. Der Meister sagte: „Es ist spät. Warum gehst du nicht zurück?" Deshan trat hinaus, kehrte sogleich zurück und sagte: „Draußen ist es dunkel." Der Meister entzündete eine Kerze und reichte sie ihm. Gerade als er danach griff, blies der Meister sie aus. In diesem Augenblick erlebte Deshan das große Erwachen.

Am nächsten Tag wandte sich Longtan an die Versammlung: „Hier ist ein Kerl mit Zähnen wie ein Wald von Schwertern und einem Mund wie ein blutrotes Becken. Ein Schlag mit dem Stock wird seinen Kopf nicht drehen. In künftigen Zeiten wird er auf einem einsamen Gipfel mein Dharma hochhalten." Nach seinem Erwachen trug Deshan seinen Diamant-Sutra-Kommentar und seine anderen Schriften in die Dharma-Halle und verbrannte sie alle. Er seufzte:

Alles mystische Streiten erschöpfen ist, als setzte man ein einziges Haar in die weite Leere. Alle List der Welt erschöpfen ist, als würfe man einen einzigen Tropfen in einen großen Abgrund.

(Bedeutung: Jede noch so feine Spitzfindigkeit der Philosophie und buddhistischen Theorie zu erschöpfen, kommt nicht mehr darauf hinaus, als ein Haar in den unendlichen Raum zu setzen; alle Kunstgriffe der Welt zu erschöpfen, kommt nicht mehr darauf hinaus, als einen Tropfen in eine gewaltige Schlucht zu schleudern.)

Nach seinem Erwachen bestieg Deshan die Lehrkanzel und sagte: „Wenn du etwas sagen kannst – dreißig Schläge. Wenn du nichts sagen kannst – dreißig Schläge." Deshans Stock und Linjis Schrei brachten gemeinsam jene charakteristische Chan-Verschmelzung von Schlag und Schrei hervor.

Jemand fragte: „Was ist ein Bodhisattva?" Deshan schlug ihn mit dem Stock: „Raus! Komm nicht her, um zu scheißen!"

„Was ist der Buddha?" Deshan erwiderte: „Der Buddha ist ein alter ausländischer Fuchs aus dem Westlichen Himmel."

Eines Tages sagte Deshan in der Halle: „Hier gibt es keinen Buddha, keinen Patriarchen. Bodhidharma war ein alter ausländischer Barbar. Shakyamuni ist ein vertrockneter Scheißstock. Manjushri und Samantabhadra sind Mistträger. Jede sogenannte Höchste Erleuchtung und Wunderbare Erleuchtung ist bloß das Zeug gewöhnlicher Sterblicher. Bodhi-Weisheit und Nirwana sind nichts als Anbindepfähle für Esel. Die zwölf Abteilungen der Schriften sind die Aktenbücher von Yama, dem Höllenkönig – Altpapier zum Abwischen von Wunden. Die vier Früchte, die drei Heiligen, der anfängliche Geist, die zehn Bhumis – allesamtgrabwächternde Gespenster, die nicht einmal sich selbst retten können."

Am Ende seines Lebens ermahnte Deshan seine Schüler: „Leeren Raum greifen, Echos nachjagen – das erschöpft nur deinen Geist und deine Lebenskraft. Aus einem Traum erwacht, erkennst du, dass alles Trug war – und am Ende, was gibt es zu tun?"

(Bedeutung: Phantomen und hohlen Echos nachzujagen, zehrt nur sinnlos an deinem Geist und deiner Lebenskraft. Erst wenn du aus dem Traum erwachst, erkennst du seinen illusorischen Charakter und verstehst, dass es im Grunde nichts zu tun gibt.)