Nach der Rückkehr nach Sahā zur Befreiung der Wesen – Werden vergangene karmische Konsequenzen weiterhin in Erscheinung treten?
Amitābha-Buddha. Ich verbeuge mich vor dem Meister. Euer Schüler möchte fragen: Wenn man durch die Kraft der Gelübde nach Sahā zurückkehrt, um fühlende Wesen zu befreien, wird man dann weiterhin karmische Konsequenzen aus der Vergangenhe...
Frage: Amitābha-Buddha. Ich verbeuge mich vor dem Meister. Euer Schüler möchte fragen: Wenn man durch die Kraft der Gelübde nach Sahā zurückkehrt, um fühlende Wesen zu befreien, wird man dann weiterhin karmische Konsequenzen aus der Vergangenheit erfahren?
Antwort von Meister Honghai: Das Gefüge von Ursache, Bedingung und karmischer Wirkung besteht nach wie vor. Woraus besteht karmische Wirkung? Aus Leid und Freude. Habt ihr das alle schon aus eigener Erfahrung genau wahrgenommen? Weil die Ursachen, die wir setzen, heilsam oder unheilsam sind, fallen die Wirkungen noch immer auf genau diese Person zurück, die Leid oder Freude erfährt, nicht wahr? Doch sind Leid und Freude etwa von Natur aus festgelegt? Nehmen wir ein einzelnes Ereignis – manche Menschen empfinden es als schmerzhaft, andere als erfreulich. Ein Apfel: Bevor du überhaupt je einen probiert hast, schmeckt er dir. Aber iss einen ganzen Teller voll – bist du dann noch froh? Du wärst bis zum Umfallen voll.
Leid und Freude haben also keine festgelegte Natur. Was sagt uns das? Wenn ein karmischer Same gesät wird, trägt er die moralische Qualität von heilsam oder unheilsam. Die Erfahrung, die daraus entsteht, ist selbst aber moralisch neutral und hat keine ethische Wertung. Es ist ganz einfach: Die Handlung erzeugt ein Nebenprodukt, das der Person, die sie vollbracht hat, entweder Leid oder Freude bringt.
Nun, auch nach der Wiedergeburt im Reinen Land: Kehrt man durch die Kraft der Gelübde zurück, um fühlende Wesen zu befreien, wirkt das Gefüge von Ursache, Bedingung und karmischer Wirkung dennoch fort, nicht wahr? Es ist möglich, dass jene, die dir in der Vergangenheit nahestanden, zu günstigen Bedingungen für deine Lehrtätigkeit werden, und es ist möglich, dass jene, die dir in der Vergangenheit als Gegner gegenüberstanden, sich dir entgegenstellen und widrige Bedingungen als Mittel zur Befreiung einsetzen – das Ziel ist stets die Befreiung. Doch innerhalb von Ursache, Bedingung und karmischer Wirkung gibt es überhaupt keine Erfahrung von Leid oder Freude. Es gibt nur einen einzigen Gedanken: sich selbst zum Erwachen zu bringen und andere zum Erwachen zu führen.
Wenn wir also von diesem Standpunkt aus fragen: Existiert es, oder nicht? Wenn wir sagen, es existiert – wie kann man dann von Existenz sprechen, wenn es keine Erfahrung von Leid oder Freude gibt? Wenn wir sagen, es existiert nicht – ist dieses Wirken von Ursache und Wirkung doch allgegenwärtig und lebendig gegenwärtig. Genau das ist der Mittlere Weg, die wahre Soheit: Man kann weder sagen, dass es existiert, noch sagen, dass es nicht existiert; es ist zugleich seiend und nichtseiend und zugleich weder seiend noch nichtseiend. Der Buddhismus äußert immer wieder solche Aussagen, doch nur sie erfassen den wahren Sachverhalt im Land des Höchsten Glücks.