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Wie sieht der Bardokörper aus?

Der Bardokörper sieht dem Verstorbenen zu Lebzeiten sehr ähnlich – er gleicht ihm im Aussehen und verfügt wie das fünfjährige Kind hier über die sechs Sinne. Es heißt, sein Gang gleiche dem eines Models auf dem Laufsteg – wie viele von e...

Der Bardokörper sieht dem Verstorbenen zu Lebzeiten sehr ähnlich – er gleicht ihm im Aussehen und verfügt wie das fünfjährige Kind hier über die sechs Sinne. Es heißt, sein Gang gleiche dem eines Models auf dem Laufsteg – wie viele von euch vielleicht wissen. Er schreitet mit diesem Laufsteggang, dreht sich im Kreis und geht dabei rückwärts – es ist ein eigenartiges Gefühl, das sich nur schwer beschreiben lässt.

Einer Tradition zufolge ähnelt der Bardokörper in frühen Stadien dem Aussehen des vorherigen Lebens – das gilt für den Bardozustand zwischen zwei menschlichen Leben. In späteren Stadien nimmt er dann allmählich das Aussehen des nächsten Lebens an. Die gewöhnlichen physischen Augen von uns Menschen können ihn nicht wahrnehmen; nur Wesen desselben Seinsreichs können ihn sehen, oder jene, die das göttliche Auge erlangt haben, den Bardokörper wahrzunehmen.

Hat ein Wesen durch tugendhafte Taten reichlich Verdienst angesammelt, so leuchtet seine körperliche Form außerordentlich hell und erstrahlt in weißem Licht. Überwiegen hingegen böse Taten, wird die Form trüb und aschfahl – viel Böses, viel Dunkelheit. Für jene, die in die Höllenreiche fallen, ist zu wissen: Ihr Erscheinungsbild wird völlig abscheulich, ihr ganzer Körper pechschwarz – das ist das Kennzeichen eines Wesens, das in die Hölle fällt. Für jene, die in das Reich der Hungergeister fallen, gleicht ihre Farbe, wie die Sutras berichten, der des Wassers und nimmt einen bläulich-grünen Ton an. Für jene, die in das Tierreich fallen, ist ihre Farbe rauchfarben. Für jene, die zur Wiedergeburt in den Himmeln bestimmt sind, sind ihre Gesichtszüge würdevoll und ebenmäßig, ihr Körper von goldenem Schimmer. Für jene, die zur Wiedergeburt in den Himmeln des Formreichs bestimmt sind, ist das Erscheinungsbild noch weit prächtiger: Diese Bardokörper sind strahlend weiß und blendend hell.

Daher erscheinen einige von uns, insbesondere manche ordinierte Meister, nicht nur mit einem hellen Gesicht, sondern mit einem leuchtend weißen Teint am ganzen Körper – das ist die Folge der Kultivierung tugendhafter Taten in früheren Leben. Der Bardokörper besitzt übernatürliche Kräfte; anders als wir wird er von Bergen, Flüssen, Land oder Mauern nicht aufgehalten. Er kann sich durch den Raum bewegen und selbst die entferntesten Orte in einem einzigen Augenblick erreichen. Berge und Flüsse sind für ihn kein Hindernis.

Natürlich ist die gängige Vorstellung, dass der Bardokörper alle sieben Tage einen Zyklus aus Leben und Tod durchläuft und spätestens nach neunundvierzig Tagen wiedergeboren werden muss. Doch diese Zeit ist äußerst bedrückend. Besonders während des Bardostadiums erwacht tief im Innern des Wesens ein starkes Gefühl der Heimatlosigkeit – es hat keinen Ort der Zuflucht, keinen festen Halt, auf den es sich stützen kann. Daher ist sein Geisteszustand völlig öde und trostlos, als wandere es allein durch eine endlose Nacht ohne jeden Halt. Sein einziges Anliegen ist die dringende Suche nach irgendeinem Ziel, irgendeinem Ort, an dem es hingehört.

Dies ist der Zustand des Bardokörpers, daher heißt es: „Bei der geringsten Gelegenheit ergreift er sofort die Chance, aufzubrechen.“ Sobald sich eine passende Gelegenheit bietet, eilt er ohne zu zögern zur Wiedergeburt. Sobald die Vision eines Seinsreichs erscheint, wird er mit Sicherheit getäuscht – und fort ist er, nie wiederkehrend.