Zen-Übung im Gestank des Urins
Zur Zeit der Song-Dynastie besuchte der Chan-Meister Congyue aus Jiangxi den Chan-Meister Yungai Shouzhi. Sie hatten kaum einige Worte gewechselt, als Shouzhi ihn schon zurechtwies:
Zen-Betrachtung im Gestank des Urins
Zur Zeit der Song-Dynastie besuchte der Chan-Meister Congyue aus Jiangxi den Chan-Meister Yungai Shouzhi. Sie hatten kaum einige Worte gewechselt, als Shouzhi ihn schon zurechtwies:
„Du magst zwar der oberste Mönch am Berg Daowu in Changsha sein, aber du redest wie ein Betrunkener!"
Congyue, errötend und verlegen, erwiderte:
„Ich bitte dich, Ehrwürdiger — hab Erbarmen und vorenthalte mir deine Unterweisung nicht."
Meister Shouzhi fragte: „Hast du jemals Meister Fachang besucht?"
„Ich habe seine Aufzeichnungen gelesen und sie mir bereits zu Herzen genommen, darum besuchte ich ihn nicht."
Shouzhi hakte weiter nach: „Und hast du Meister Dongshan Kewen besucht?"
Congyue antwortete mit einem verächtlichen Schnauben: „Dongshan Kewen? Der verbringt seine Tage damit, den Narren zu spielen, und schleppt einen nach Urin stinkenden Stoffrock mit sich — er ist kaum als großer Chan-Meister anzusehen."
Meister Shouzhi sprach mit ernster Würde: „Wo ist Chan? Geh dorthin und übe im Gestank des Urins."
Als Congyue merkte, dass Shouzhi es ernst meinte, folgte er seinem Rat und besuchte Meister Dongshan Kewen. Dort erfasste er tief das verborgene Wesentliche, und kehrte zurück, um Meister Shouzhi zu danken.
Meister Shouzhi fragte: „Wie war dein Besuch bei Meister Kewen?"
Congyue berichtete mit aufrichtiger Ehrfurcht: „Ohne deine Weisung wäre mein ganzes Leben vergeudet gewesen. Ich bin gekommen, um dir zu danken."
Meister Shouzhi sagte: „Wofür denn? Ebenso gut könntest du dem Gestank des Urins danken."
Menschen nach ihrem Äußeren zu beurteilen ist ein häufiger Fehler in dieser Welt, und das bloße Auge beurteilt sie ständig nach ihrer Kleidung. Wo ist Chan? Chan findet sich nicht unbedingt in würdevollen Zügen oder feiner Gewandung. Ein Stoffrock, der nach Urin stinkt — dies ist das Reich des Chan, wie es das Auge der Weisheit sieht. Denn schließlich blüht der Lotus aus dem Schlamm, und Gold und Jade sind in Erde und Stein verborgen.