Wie groß ist das Verdienst dieses ‚Da'an'?
„Alle Ängste – ich schenke ihnen großen Frieden." Liebe Freundinnen und Freunde im Dharma, könnt ihr das unermessliche Verdienst dieses „großen Friedens" erfassen, von dem wir im Amitayus-Sutra sprechen?
„Alle Ängste – ich schenke ihnen großen Frieden." Liebe Freundinnen und Freunde im Dharma, könnt ihr das unermessliche Verdienst dieses „großen Friedens" erfassen, von dem wir im Amitayus-Sutra sprechen?
Wir wissen alle, dass das Dharma ein Weg ist, den Geist zur Ruhe zu bringen. Und wir haben doch alle jenen bekannten Dialog zwischen Patriarch Bodhidharma und dem Zweiten Patriarchen gehört, nicht wahr? Tief im Winter stand der Zweite Patriarch lange Zeit in hohem, dichtem Schnee. Da sprach Bodhidharma zu ihm: „Dein Eifer ist noch nicht ausreichend, und dein Streben ist noch nicht voll gereift: Dieses Dharma, das ich übertrage, hat der Weltverehrte über unzählige Äonen hinweg unter großen Mühen kultiviert. Glaubst du, du könntest es einfach dadurch erlangen, dass du einen Augenblick lang stehst oder kniest, ohne auch nur ein einziges aufrichtiges Wort des Strebens von dir zu geben?"
Daraufhin trennte der Zweite Patriarch Huike sich selbst den Arm ab. Diese Tat birgt ... eine Wahrheit, die wir gewöhnlichen Menschen von heute kaum ganz zu erfassen vermögen. Mit der Abtrennung seines Arms durchschnitt er zugleich seine karmischen Hindernisse; er gab seinen physischen Körper preis und mit ihm allen inneren wie äußeren Besitz.
Was also wie eine bloße Tat der Abtrennung eines Arms erschien, war in Wahrheit die unmittelbare, gleichzeitige Vollendung aller Sechs Paramitas – versteht ihr das? Er verwirklichte sie alle auf einmal, in einem einzigen Augenblick jäher Praxis. Deshalb heißt es, er habe die Sechs Paramitas in eben jenem Moment vollständig vollendet. Patriarch Bodhidharma sprach darauf zu ihm: „Sprich weiter – welches Dharma suchst du?" Er antwortete: „Mein Geist ist unruhig." Bodhidharma sprach: „Bring mir deinen Geist, und ich werde ihn für dich zur Ruhe bringen." Und so, ganz einfach, war sein Geist zur Ruhe gekommen. Das ist die berühmte Lehre: „Bring mir deinen Geist, und ich werde ihn für dich zur Ruhe bringen."
Doch ihr alle müsst verstehen: Diese „Beruhigung des Geistes" steht in ihrer Qualität weit unter dem „großen Frieden", von dem wir hier sprechen. Warum? Wie wir oft sagen: „Stillung ist Bodhi" – das plötzliche Stillwerden des wilden, verblendeten Geistes mag zwar die volle Verwirklichung der Beruhigung des Geistes bedeuten, doch lässt sich dies nur „kleiner Friede" nennen. Was aber meinen wir mit „kleinem Friede"? Er kann den Geist zur Ruhe bringen, doch die karmischen Tendenzen vermag er nicht zu stillen – versteht ihr? Wir sprechen hier von karmischen Tendenzen, von den tief eingewurzelten Gewohnheiten, die das vergangene Karma geformt hat.
Was ist nun also der „große Friede", von dem wir in dieser Lehre sprechen? Wie wir gleich erläutern werden: Wohin soll dieser Friede ihn ansiedeln? Er ist dazu bestimmt, ihn im Reinen Land des Buddha anzusiedeln, wie ihr alle wisst. Der frühere „Friede" konnte lediglich eine Ansiedlung innerhalb der drei Bereiche bieten, wo es überhaupt keinen wahren Frieden gibt. Der spätere „große Friede" hingegen bietet eine Ansiedlung für jene, die in den neun Bereichen gefangen sind – in denen es ebenfalls keinerlei grundlegenden Frieden gibt – und siedelt ihn, wie wir eben erwähnten, am äußersten Rand des Abgrunds von Samsara an, auf umfassende, systematische Weise. Was heißt das? Es heißt, dass er nicht nur den Geist beruhigt, sondern zugleich auch die karmischen Tendenzen stillt.
Ihr müsst alle verstehen: Es geht hier nicht darum, dass einer plötzlich die Natur des Geistes erkennt und dann alle Praxis aufgibt, um erst später – durch das Eingehen auf verschiedene Bedingungen und das Sich-Einlassen auf allerlei Umstände – damit zu beginnen, Affekte und karmische Gewohnheiten abzuschneiden und so seine karmischen Tendenzen zu beruhigen. Vielmehr werden in dieser Lehre die karmischen Tendenzen in genau demselben Augenblick gestillt, in dem der Geist sich öffnet – erst dann darf es „großer Friede" genannt werden.