Wie erkennt man, ob man im Geist von Geburt und Tod oder im Geist jenseits von Geburt und Tod verweilt?
»Weltverehrter! Ich wurde mit der höchsten mitfühlenden Lehre des Tathagata gesegnet, und mein Geist hat sich nun geöffnet und ist erwacht. Ich weiß, dass ich durch meine eigene Übung und Verwirklichung den Pfad des Nicht-Lernenden (den ...
Ananda wandte sich an den Buddha und sprach: »Weltverehrter! Ich wurde mit der höchsten mitfühlenden Lehre des Tathagata gesegnet, und mein Geist hat sich nun geöffnet und ist erwacht. Ich weiß, dass ich durch meine eigene Übung und Verwirklichung den Pfad des Nicht-Lernenden (den Arhat-Pfad) erlangen kann. Für jene, die in dieser Dharma-Endzeit üben: Wie sollen wir, wenn wir ein Übungszentrum errichten, dessen Grenzen festlegen, damit es vollständig den reinen Maßstäben des Weltverehrten entspricht?
Als der Buddha seine Lehre der vollständigen einfachen Methode der Mantrarezitation beendet hatte, fuhr der Ehrwürdige Ananda fort:
»Dieses Erwachen ist natürlich eine verstandesmäßige Unterscheidung des Dharma, keine direkte erfahrungsmäßige Verwirklichung. Dieses umfassende Verständnis umfasst zwei wesentliche Aspekte:
Erstens erfasst er das Prinzip, dass alle Erscheinungen falsch sind, während ihr innewohnendes Wesen wahr ist. Er weiß: Solange der Geist an phänomenalen Merkmalen festhält – wenn er in den Merkmalen des Selbst, der Anderen, der fühlenden Wesen und der Lebensdauer verweilt –, ist er falsch und unterliegt dem Geist von Geburt und Tod. Das ist ganz klar: Wenn du dich fragst, ob du gegenwärtig im Geist von Geburt und Tod oder im Geist jenseits von Geburt und Tod verweilst – solange dein Geist noch an Erscheinungen und an Gewinn und Verlust haftet, ist das der Geist von Geburt und Tod. Wenn du im merkmalfreien Zustand verweilen kannst, ist das der wahre, ewige Geist jenseits von Geburt und Tod. Unser Geist trägt sowohl vergängliche emotionale Zustände als auch ewige verdienstvolle Funktionen in sich; du musst zunächst zwischen beiden unterscheiden: Welche sind wie vorübergehende Gäste, die nur vorbeiziehen, und welche sind dein wahrer, beständiger Wirt? Dies ist die Unterscheidung von Wahrheit und Falschheit, die auf dem Prinzip beruht, dass die Erscheinungen falsch und das innewohnende Wesen wahr ist.
Der zweite und noch wesentlichere Punkt: Das Wahre tritt durch das Falsche hindurch in Erscheinung. Obwohl die Erscheinungen an sich falsch sind, kannst du deine wahre Geistnatur nur entdecken, indem du dich auf diese falschen Erscheinungen einlässt. Beide sind nicht getrennt: Gerade durch das Falsche hindurch wird das Wahre offenbar.
Der Ehrwürdige Ananda erfasste diese beiden Prinzipien vollständig und gründlich und äußerte seine Gewissheit, dass er den Pfad des Nicht-Lernens (den Arhat-Pfad) durch seine Übung und Verwirklichung der vollkommenen Durchdringung der wahren Natur erlangen könne. Er bekräftigte: »Ich werde den Pfad des Nicht-Lernens vollenden.«
Wie Meister Ouyi anmerkt, lebte der Ehrwürdige Ananda im Zeitalter des Wahren Dharma, sodass er keinen Ritualaltar zu errichten brauchte; er konnte unmittelbar Mantras rezitieren oder hatte sogar gar keine Notwendigkeit, Mantras zu rezitieren. So gibt es in der Praxis zwei Kategorien von Übenden: jene mit scharfen geistigen Fähigkeiten und jene mit stumpfen. Jene mit scharfen Fähigkeiten können unmittelbar in der Achtsamkeit auf die wahre Soheit ruhen und augenblicklich die vollkommene Durchdringung vollenden. Jene mit stumpfen Fähigkeiten in dieser Dharma-Endzeit bedürfen der geschickten Mittel der vier reinen Ermahnungen, der Errichtung eines Ritualaltars und der Mantrarezitation. Daher, so bemerkt er, steht die Übung in dieser Dharma-Endzeit vor zwei grundlegenden Herausforderungen: erstens schwerwiegende karmische Hindernisse und begrenzte Weisheit – geringe Wurzeln des Guten und schwere Befleckungen. Zweitens: Der Buddha ist schon lange dahingegangen, und falsche Ansichten sowie irriges Verständnis grassieren. In einem Zeitalter also, in dem dämonische Kräfte stark sind und der Dharma schwach, ist es wesentlich, ein angemessenes Übungszentrum zu errichten.
Wie aber sollen wir die Grenzen für dieses Übungszentrum festlegen, und wie sollen wir es aufbauen? Wie können wir Grenzen setzen, die vollständig den reinen Maßstäben entsprechen, die der Weltverehrte festgelegt hat? Wie Meister Ouyi ferner anmerkt, besteht der hauptsächliche Zweck der Errichtung eines Ritualaltars natürlich darin, durch konkrete Praktiken das zugrundeliegende Prinzip zu offenbaren. Was bedeutet es, durch konkrete Praktiken das zugrundeliegende Prinzip zu offenbaren? Dies wird später ausführlich erläutert. In gewissem Maße schafft die Errichtung eines Übungszentrums jedoch auch einen Raum für gemeinschaftliche Praxis.
Mit anderen Worten: Als der Buddha in der Welt zugegen war, wurde die meiste Übung individuell ausgeübt. Doch in dieser Dharma-Endzeit, in der dämonische Kräfte stark und der Dharma schwach sind, ist die Stütze durch die Versammlung und die Pflege einer gemeinsamen Aspiration – die kollektive Kraft der Versammlung – von äußerster Bedeutung. Für gemeinschaftliche Übung wird naturgemäß ein eigener Ritualaltar benötigt: Zuerst einen angemessenen Ritualaltar errichten, dann die gemeinsame Aspiration aller Übenden aufbauen.