Wenn ein Kind sich an die Mutter erinnert: Ein seltener, kostbarer Moment, wie er nur einmal in unzähligen Äonen begegnet
Dieser Satz – „Wenn ein Kind sich an die Mutter erinnert" – beschreibt einen Moment, der so selten ist, dass man ihm selbst in Hunderten von Millionen von Leben kaum je begegnet. Es ist wie eine lange, mühselige Wanderung: Körper und Gei...
Dieser Satz – „Wenn ein Kind sich an die Mutter erinnert" – beschreibt einen Moment, der so selten ist, dass man ihm selbst in Hunderten von Millionen von Leben kaum je begegnet. Es ist wie eine lange, mühselige Wanderung: Körper und Geist sind erschöpft, das Leiden so tief, dass man weder vor noch zurück kann – und plötzlich erreicht einen ein Brief von zu Hause. Der Brief stammt von der eigenen Mutter, und er lautet: „Mein Kind, komm schnell nach Hause. Wir warten auf dich. Es ist mehr als genug Reichtum und Land hier für dich. Du musst nicht mehr für Lohn arbeiten, nicht um deine nächste Mahlzeit betteln."
Sobald er ihn liest, strömt die Erinnerung zurück. Warum erst jetzt, wo er sie doch so lange vergessen hatte? Weil er schlicht vergessen hatte.
Im Nu wird ihm alles klar: „Ach, meine wahre Heimat ist jenes reiche, heilige Land. Dieser Ort, an dem ich umhergeirrt bin, ist nur eine Herberge, ein vorübergehender Aufenthalt – nicht mein Zuhause. Dort wartet meine mitfühlende Mutter auf mich, mit unermesslichen Schätzen in ihrem Besitz. Ich muss hier nicht länger schuften, nicht mehr um Brosamen betteln." In diesem Moment wendet er sein Herz ihr zu und trägt sie in seinen Gedanken.
Dies ist ein Gleichnis für fühlende Wesen, die endlos lange durch die sechs Daseinsbereiche gewandert sind und nun ihren Geist darauf richten, Amitabha-Buddha zu gedenken – den Buddha ihrer wahren Heimat, das Land der höchsten Glückseligkeit.
Wenn dieser wandernde Sohn – ruo (若, „wenn") – sein Herz zurückwenden und sich an seine mitfühlende Mutter erinnern kann, ist die Verbindung augenblicklich hergestellt. Seit unzähligen Äonen hat diese mitfühlende Mutter ihren verlorenen Sohn keinen Augenblick aus ihren Gedanken entlassen. Dieses „wenn [das Kind sich erinnert]" bezeichnet die Fähigkeit des fühlenden Wesens, die Antwort des Buddha zu empfangen. Während sie ihn in Gedanken hält, antwortet der Buddha sofort auf diese Achtsamkeit, und zwischen ihnen entsteht eine geistige Resonanz – eine echte, unvermittelte Gemeinschaft. Die Bindung zwischen Mutter und Sohn ist ihnen innewohnend, so selbstverständlich wie ein Magnet, der Eisen anzieht. Von jenem ersten Moment geteilter Achtsamkeit, geteilter Resonanz, geteilter Verbundenheit an werden Mutter und Sohn nicht mehr getrennt, nicht für ein einziges Leben. Ebenso verhält es sich mit fühlenden Wesen, die im Kreislauf von Geburt und Tod gefangen sind: Durch Glauben, Gelübde und das Rezitieren des Buddha-Namens stehen sie in Resonanz mit den Achtundvierzig großen Gelübden Amitabhas. Verankert in der ozeangleichen Wirklichkeit seiner großen Gelübde und verwurzelt im höchsten, wahren Pfad seines Namens, werden wir fühlenden Wesen nie wieder von Amitabha Buddha getrennt.
Nicht getrennt sein heißt, einander nie mehr den Rücken zuzukehren. Das meinen wir, wenn wir sagen, dass wir uns nun vom Staub der Sinnesobjekte abwenden und mit dem Erwachen vereinen. Unser anfängliches Erwachen nimmt nun seinen Weg zurück zu unserem ursprünglichen, innewohnenden Erwachen. Zuvor waren wir wie der verlorene Sohn, der seinem Vater den Rücken kehrte und floh. Unser ursprüngliches Erwachen zeigte sich nicht als anfängliches Erwachen. Stattdessen lief es wild den fünf Begierden und den sechs Sinnesstäuben entgegen und schuf allerlei unheilsames Karma. In Wahrheit entspringt selbst die Kraft, mit der wir dieses unheilsame Karma erzeugen, der Kraft des ursprünglichen Erwachens. Doch diese Kraft wird auf verzerrte Weise eingesetzt, in eine falsche Richtung gelenkt, ohne dass rechte Sicht und rechtes Verständnis sie leiten. Wenn unser anfängliches Erwachen mit unserem ursprünglichen, innewohnenden Erwachen verschmilzt, werden wir nie mehr gegen es handeln und nie mehr fern von ihm sein.
Hier offenbart sich die gemeinsame Essenz von fühlenden Wesen und Buddha – ihre grundlegende Einheit. Geistige Resonanz und Gemeinschaft, die Nicht-Dualität von fühlenden Wesen und Buddha: Das ist das Kernprinzip im Herzen dieser Lehre.