Warum wir uns von Menschen mit häretischen Ansichten fernhalten sollten
Wir wenden uns nun der zweiten Richtlinie zu. Verkehrt nicht eng mit heterodoxen Brahmanen, Niganthas und ihresgleichen; nicht mit Verfassern weltlicher literarischer Werke; nicht mit denen, die nichtbuddhistische Schriften loben und pre...
Wir wenden uns nun der zweiten Richtlinie zu. Verkehrt nicht eng mit heterodoxen Brahmanen, Niganthas und ihresgleichen; nicht mit Verfassern weltlicher literarischer Werke; nicht mit denen, die nichtbuddhistische Schriften loben und preisen; und nicht mit Anhängern der Lokayata oder Gegen-Lokayata.
Die vorangegangene Richtlinie betraf die Vermeidung von Umgang mit Reichen und Einflussreichen. Im Folgenden geht es darum, sich von Menschen mit abweichenden Ansichten fernzuhalten. Wie viele solcher Gruppen gibt es?
Die erste Gruppe sind heterodoxe Brahmanen. Dieser Begriff bezieht sich auf Laien-Brahmanen, die dem brahmanischen Pfad folgen, die zehn heilsamen Gebote einhalten und eine Wiedergeburt im Brahma-Himmel anstreben. Gemeint sind hiermit genau diese heterodoxen Brahmanen.
Als Nächstes sind die Niganthas zu nennen. Ihr Pfad besteht aus Weltentsagern, die heterodoxen Traditionen folgen – was wir gemeinhin als indische Yogis bezeichnen. Sie praktizieren Atemübungen, alchemistische Schulung und eine Vielzahl meditativer Praktiken; allesamt sind dies Wege, die auf greifbare, weltliche Errungenschaften abzielen.
Darüber fallen auch jene unter diese Regel, die weltliche literarische Werke verfassen sowie jene, die „nichtbuddhistische Schriften loben und preisen“. Der Ausdruck „loben und preisen“ bezieht sich hier auf weltliche Dichtung und Verse, die die Schönheit von Landschaften, den Reiz bestimmter Orte und ähnliche Themen besingen – genau das ist der Inhalt weltlicher Poesie. Darüber hinaus umfasst der Ausdruck auch die Schriften heterodoxer Traditionen.
Bei der Lokayata handelt es sich um die von uns gemeinhin als indische materialistische heterodoxe Schule bezeichnete Tradition. Ihre Anhänger vertreten die Ansicht, dass die Materie der Ursprung aller Dinge ist und dass alle Lebensphänomene von materiellen Kräften bestimmt werden. Die Gegen-Lokayata vertritt die entgegengesetzte Position: Ihre Anhänger gehen stattdessen davon aus, dass der Geist der Ursprung aller Dinge ist. Ihr Geistesverständnis unterscheidet sich von der im Buddhismus gelehreten Geistesnatur; diese Sichtweise birgt zudem eine deutliche Tendenz zum Annihilationismus.
Mit anderen Worten: Wir, die wir erst am Anfang unserer Übung stehen und über ein noch oberflächliches Verständnis sowie eine geringe Fähigkeit zur kontemplativen Durchdringung der Lehre verfügen, erleben zwei negative Folgen, wenn wir häufig Umgang mit solchen Menschen haben:
Erstens werdet ihr immer wieder in Konflikte und Streitigkeiten verwickelt. Euer geistiger Pfad und der ihre sind grundlegend verschieden: Ihr folgt dem Bodhi-Pfad, während sie weltlichen Pfaden anhängen. Diese Disharmonie wird unweigerlich zu dauerhaften Auseinandersetzungen zwischen euch führen.
Zweitens werdet ihr eure Verwurzelung in den richtigen Dharma-Prinzipien verlieren. Ihr könntet sogar von ihren Ansichten beeinflusst und in die Irre geführt werden. Dies ist der zweite Grund, warum wir engen Umgang mit solchen Menschen vermeiden sollten.