Unberührt vom Schlamm
Ich trug gern teure Kleidung. Ich ging selbst zum Markt, um Stoff auszusuchen, und brachte ihn dann zu einem Schneider, der ihn vermaß und zurechtschnitt. Oft trug ich eine Krawatte und kleidete mich in allerlei Outfits, die mir Komplime...
Als ich jung war, hatte ich eine bedauerliche Angewohnheit: Ich trug gern teure Kleidung. Ich ging selbst zum Markt, um Stoff auszusuchen, und brachte ihn dann zu einem Schneider, der ihn vermaß und zurechtschnitt. Oft trug ich eine Krawatte und kleidete mich in allerlei Outfits, die mir Komplimente einbrachten.
Einige Schüler des Gurus waren darüber befremdet und murrten über meine Lebensweise. Das ging fünf Jahre lang so, und der Guru sagte kein Wort dazu.
Später erfuhr ich eine Lektion, die sich als entscheidend für meine Entwicklung erwies.
Jedes Mal, wenn ich vor dem Guru stand, sagte er: „Dein Geschmack ist furchtbar niedrig."
Ich protestierte: „Meister, das ist Stoff von höchster Qualität!"
Eines Tages verlor ich die Lust, mich herauszuputzen, und ging im einfachen Schlafanzug zum Guru. Er sagte: „Du siehst wunderbar aus." Er wollte, dass ich weltliche Dinge erlebte, ihren Wert begriff und sie dann losließ.
Ein verfeinerter Geist und ein einfaches Leben tragen viel zur Entwicklung ästhetischen Empfindens bei. Aber Geschmack zu entwickeln — Güte und Schönheit in den Alltag einzuflechten — geschieht nicht über Nacht. Teure Kleidung kann unsere Hässlichkeit nicht verbergen, und Mode allein kann uns nicht schön machen. Wir sollten unsere Aufmerksamkeit nicht auf Äußerlichkeiten richten, sondern innere Schönheit pflegen und sie sich ausdrücken lassen. Diese innere Schönheit strahlt ein Licht aus, das jeder sehen kann.
Der Weg des Mönchtums ist ein Weg des Feuers, für jene, die weltliche Begierden bereits verbrannt haben. Viele Schüler lassen sich durch weltlichen Gewinn und Verlust leicht entmutigen; in impulsiven Momenten denken sie daran, in die Welt zurückzukehren. Doch solche Menschen werden, wohin auch immer sie gehen — selbst wenn sie angenehme Umstände finden — niemals innere Stabilität finden. Ohne geistliche Disziplin ist es unmöglich, Gier, Verlangen, Anhaftung, Enttäuschung, Eifersucht und Zorn abzulegen. Wer sich niedergeschlagen und unzufrieden fühlt, ist für den Weg des Mönchtums nicht geeignet. In einer Höhle zu sitzen und sich nach weltlichen Genüssen zu sehnen, ist elend. Mein Guru wollte mir eine normale Kindheit ermöglichen und mich vor Frustrationen bewahren. In jenen Jahren kaufte ich oft die besten Autos und ersetzte sie zweimal im Jahr. Ich lebte besser als jeder indische Prinz. Mein Reichtum und meine Verschwendung erstaunten meine Verwandten, meine Freunde und sogar die Polizei. Das Geheimnis war einfach: Worum auch immer ich bat, der Guru gab es mir. Er behielt nichts für sich und gab nichts für sich selbst aus.
Als ich den Wert weltlicher Dinge begriffen hatte, fand ich zur Stille, und mein Geist fand Frieden. Das half meiner Meditation außerordentlich. Latente Begierden sind gefährlich — sie treten in der Meditation leichter an die Oberfläche als im gewöhnlichen Leben. Und dieses Festhalten an weltlichen Dingen ist ein Hindernis auf dem Weg zur Erleuchtung.
Eines Tages sagte der Guru: „Lass uns an die Ufer des Ganges gehen. Ich habe eine weitere Lektion für dich." Ich fragte: „Welche Lektion?"
Er sagte: „Warum lebst du im Himalaya?"
Ich antwortete: „Für spirituelle Praxis."
Er fragte erneut: „Und warum übst du?"
Ich sagte: „Um zu erwachen und ein vollkommener Mensch zu werden."
Der Guru sagte: „Dann warum begehrst du immer noch weltliche Dinge? Warum brauchst du diese Welt? Du bist ein Entsagender, der in einer Höhle lebt, und dennoch ist dein Geist in weltliche Angelegenheiten verstrickt. Das bedeutet, dass in dir noch ein Verlangen verborgen liegt, das darauf wartet, befriedigt zu werden. Dieses Übel lässt sich nur durch Selbstdisziplin lösen — es gibt keinen anderen Weg. Mit Selbstdisziplin kannst du dich trainieren, und durch Training gewinnst du unmittelbare Erfahrung. Durch unmittelbare Erfahrung erweitern wir unser spirituelles Bewusstsein. Und die Erweiterung des spirituellen Bewusstseins ist der eigentliche Sinn des Lebens."
Die Welt übt einen starken Sog aus — ihre Anziehungskraft, ihre Versuchungen und ihre Bindungen sind groß. Doch ein geistlicher Sucher, der nach Erwachen strebt, darf niemals zulassen, dass die Kraft der Welt ihn vom Weg zur ewigen Freude abbringt.