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Professor Lin Chongan: Ein Q&A zur Meditation

Der Begriff chanxiu (禅修) stammt vom Sanskritwort dhyāna. Dhyāna wird auch als „kontemplative Ruhe" übersetzt und ist eine buddhistische Disziplin zur Schulung der Geisteskonzentration. Der Sechste Patriarch Huineng erweiterte seine Bedeu...

Professor Lin Chongan: Ein Q&A zur Meditation

1 F: Was ist Chan-Meditation?

A: Der Begriff chanxiu (禅修) stammt vom Sanskritwort dhyāna. Dhyāna wird auch als „kontemplative Ruhe" übersetzt und ist eine buddhistische Disziplin zur Schulung der Geisteskonzentration. Der Sechste Patriarch Huineng erweiterte seine Bedeutung später wie folgt:

„Was ist Sitzen im Chan? In diesem Dharma-Tor steht nichts im Weg – was auch immer auftritt, kein Gedanke entsteht. Das ist Sitzen. Wenn man seine wahre Natur erkennt und nicht in Verwirrung gerät, das ist Chan. Was ist Chan-Samādhi? Nach außen frei von Merkmalen zu sein, ist Chan; nach innen unbewegt zu bleiben, ist Samādhi."

So weitete sich die Praxis auf das gesamte alltägliche Leben aus – Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen –, sodass man jeder Situation mit einem klaren, ungetrübten Geist begegnen kann. Heute wird all diese Schulung in Stillheit und Aktivität unter dem Begriff chanxiu zusammengefasst – im Englischen schlicht „meditation".

2 F: Welche verschiedenen Methoden der Chan-Meditation gibt es?

A: Es gibt viele. In China findet man Patriarchen-Chan, die nianfo-Methode (念佛, Rezitation des Buddha-Namens) und tantrische Methoden. Aus Tibet stammen Mahāmudrā (大手印) und Dzogchen (大圆满). In den Theravāda-Ländern kennt man vipassanā (内观, Einsichtsmeditation) und weitere Methoden. Da die heutige Gesellschaft einen praktischeren, alltagstauglicheren Ansatz bevorzugt, sind neuere Begriffe entstanden: Lebens-Chan, Bewegungs-Chan, Anxiang-Chan (安祥禅) und Einsichts-Chan.

3 F: Was ist der grundlegende Zweck der Chan-Meditation?

A: Der buddhistische Zweck ist ein einziger: das eigene Leiden zu beenden und dann anderen dabei zu helfen, ihres zu beenden. Man könnte es auch als „Erlangung des Nirvāṇa" oder „Befreiung des Geistes und Befreiung durch Weisheit" bezeichnen – doch der Kern bleibt immer derselbe: das Aufhören des Leidens. Leiden entsteht aus Unwissenheit (無明) – man lebt im Nebel, unfähig, klar zu sehen. Um Leiden zu beenden, braucht man also Klarheit (明). Man braucht Gewahrsein und die Fähigkeit, Achtsamkeit und klares Erkennen (正念正知) aufrechtzuerhalten. Chan-Meditation handelt also davon, diese Klarheit zu kultivieren – Gewahrsein zu üben, Achtsamkeit und klares Erkennen zu pflegen –, damit man im Alltag in Samādhi und Weisheit verwurzelt ist und nicht länger in Verwirrung umherirrt.

4 F: Worum geht es im Kern der Chan-Meditation?

A: Das Wesentliche ist weder äußere Form noch Name – ob man es Chan, nianfo, vipassanā, Mahāmudrā oder sonst etwas nennt –, noch irgendwelche Lichter, Buddha-Bilder, außersinnliche Kräfte oder Glückseligkeit, die während der Praxis auftauchen können. Es ist die Fähigkeit, in all seinen Tätigkeiten – Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen – einen klaren, ungetrübten Geist zu bewahren, durchdrungen von Gewahrsein, und den Höhen und Tiefen des Lebens mit der Weisheit des Nicht-Selbst zu begegnen, sodass die Praxis zum Leben selbst wird. Wie man dieses Gewahrsein kultiviert – das ist, könnte man sagen, das Herzstück der Chan-Meditation. Sobald das Gewahrsein ununterbrochen fließt, wird, was man ausspricht, rein – rechte Rede. Was man tut, wird rein – rechtes Handeln und rechter Lebenserwerb. Wenn die Richtung stimmt, wachsen Samādhi und Weisheit stetig, die geistigen Trübungen nehmen ab, und das Leiden erlischt allmählich.

5 F: Welche Art von Befreiung bringt die Chan-Meditation?

A: Chan-Praktizierende lassen sich in zwei Hauptkategorien einteilen – wenn man diese im Blick behält, wird der Pfad leichter erkennbar: der prajñā-vimukta (慧解脱者, „der durch Weisheit Befreite") und der ubhaya-bhāga-vimukta (俱分解脱者, „der Doppelt-Befreite"). Das Yogācārabhūmi-śāstra (Kapitel 26) führt aus:

Der prajñā-vimukta-Arhat ist von den affiktiven Hindernissen befreit, aber noch nicht von den Samādhi-Hindernissen.

Der ubhaya-bhāga-vimukta-Arhat ist sowohl von den affiktiven Hindernissen als auch von den Samādhi-Hindernissen befreit; daher der Name „doppelt befreit".

Betrachtet man es also aus der Perspektive der Hindernisse, so hat der eine Typ von Übenden auf dem Pfad die Hindernisse des Samādhi noch nicht vollständig überwunden – ein gewisses Maß an Konzentration genügt, um die Affliktionen direkt zu durchschneiden. Das ist der Weisheitsbefreite. Der andere Typ hat sich vollständig von den Hindernissen des Samādhi befreit und ebenfalls die Affliktionen durchschnitten – das sind die auf beiderlei Weise Befreiten. Ihre Veranlagungen unterscheiden sich, doch was beide durch Chan-Meditation erlangen, ist die Befreiung von den Befleckungen.

6 F: Welchen Konzentrationsgrad benötigt ein Weisheitsbefreiter?

A: Das Yogācārabhūmi-śāstra sagt:

Zitat:

Wenn ein Bhikkhu reine Sittenzucht beachtet, die reinen Gebote des Prātimokṣa einhält und durch die Kraft der höheren Schulung des Geistes das höhere Samādhi erlangt, das zur Nachbarschaft der ersten Dhyāna-Stufe gehört, als Grundlage; und durch die Kraft der höheren Schulung der Weisheit die Dharma-verweilende Weisheit und die Nirvāṇa-Weisheit erlangt – gestützt auf diese beiden Weisheiten wird der Geist von allen Affliktionen befreit, er wird ein Arhat und ist durch Weisheit befreit.

Wer also dem Pfad der Weisheitsbefreiung folgt, muss mindestens das kultivieren, was unmittelbar vor der ersten Dhyāna-Stufe liegt – genannt upacāra-samādhi (近分定), also „Annäherungs-Konzentration", auch bekannt als „noch nicht erreichte Konzentration" (未至定). Im Theravāda wird es ebenfalls upacāra-samādhi genannt oder manchmal khaṇika-samādhi (剎那定), „Augenblicks-Konzentration". Im Theravāda bezeichnet man den weisheitsbefreiten Übenden auch als „Übenden der reinen Sicht" (純觀行者), manchmal übersetzt als „Trocken-Einsichts-Übender".

7 F: Welchen Konzentrationsgrad benötigt ein auf beiderlei Weise Befreiter?

A: Der auf beiderlei Weise Befreite hat von vornherein keine Hindernisse des Samādhi. Durch Śamatha (Beruhigung) kultiviert er die grundlegenden Versenkungen der vier Dhyānas und acht Samādhis und kann in Nirodha-samāpatti (滅盡定) eintreten, die „Versenkung der Aufhebung". Im Theravāda werden diese grundlegenden Versenkungen appanā-samādhi (安止定) genannt, und der auf beiderlei Weise befreite Übende ist als samatha-yānika (止行者) bekannt, ein „Beruhigungs-Übender", oder manchmal als samatha-vipassanā-yānika (止觀行者), ein „Beruhigungs- und Einsichts-Übender". Wer den Bodhisattva-Pfad beschreitet, kultiviert angesichts der Weite seines Ziels im Allgemeinen ebenfalls die vier Dhyānas und acht Samādhis und geht den Pfad der beidseitigen Befreiung. Wenn man ein Buddha wird, besitzt man notwendigerweise die vier Dhyānas und acht Samādhis – frei von Hindernissen des Samādhi, frei von Affliktions-Hindernissen und frei von Erkenntnis-Hindernissen (所知障).

8 F: Wie können Menschen in der heutigen geschäftigen Industrie- und Handelsgesellschaft Chan-Meditation praktizieren?

A: Wenn man diese beiden Pfade verstanden hat, lässt sich leichter erkennen, wie jemand, der heute praktiziert, Chan angehen könnte. Klar ist: Wenn ein Laie Nirodha-samāpatti erlangen möchte, müsste er weltliche Angelegenheiten für längere Zeit beiseitelegen und sich von jemandem anleiten lassen, der „schon dort gewesen ist" – eine große Herausforderung für die meisten Menschen. Für gewöhnliche Laien ist daher der Pfad der Weisheitsbefreiung in der Regel praktikabler. Mönche und Nonnen, die nicht durch weltliche Pflichten belastet sind, können auf beiden Pfaden erfolgreich sein. Buddhadasa Bhikkhu schreibt in Einsichtsmeditation:

Zitat:

Das Ziel der Kultivierung von Konzentration ist nicht, die Versenkungen der Form-Sphäre oder der formlosen Sphäre zu erlangen. Das ist nicht der Punkt. Was zählt, ist Achtsamkeit und klare Beobachtung – diese allein genügen. Diese auf einen Punkt gerichtete Konzentration (bezogen auf upacāra-samādhi) ist wunderbar, und der Weltverehrte pries sie hoch, weil sie direkt im täglichen Leben angewendet werden kann. Wenn man sie zu Versenkungszuständen wie den formlosen Versenkungen fortentwickeln lässt, lässt sie sich im täglichen Leben nicht mehr anwenden – denn in jenen Zuständen funktionieren die Sinne nicht, und so gibt es nichts, worauf man sie anwenden könnte.

Chan-Meditation im täglichen Leben, also dynamische Vipassanā, stützt sich daher auf upacāra-samādhi (oder khaṇika-samādhi), sodass das Gewahrsein in allen vier Haltungen klar und kontinuierlich bleibt.

9 Q: Erwähnen die Sūtras „Nachbarschaftskonzentration“ und „Grundkonzentration“? Welche textlichen Belege gibt es dafür? A: Die Sūtras verwenden diese beiden Begriffe zwar nicht selbst, doch ausgehend von der Lehre lässt sich „Konzentration“ in diese beiden Stufen gliedern: (a) Das Sūtra sagt: Einleitung:

„Dieser Körper ist durchtränkt, voll und ganz durchtränkt, voll und ganz erfüllt und voll und ganz durchdrungen von der aus der Abgeschiedenheit geborenen Ekstase und Freude“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration des ersten Jhana gemeint. Es folgt: „In diesem gesamten Körper gibt es keinen Ort, der nicht voll und ganz durchdrungen ist von der aus der Abgeschiedenheit geborenen Ekstase und Freude“ – damit ist die Grundkonzentration des ersten Jhana gemeint. (b) Das Sūtra sagt: Einleitung: „In diesem Körper durchtränkt die aus dem Samādhi geborene Ekstase und Freude, durchtränkt voll und ganz, erfüllt voll und ganz und durchdringt voll und ganz“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration des zweiten Jhana gemeint. „In diesem gesamten Körper gibt es keinen Ort, der nicht voll und ganz durchdrungen ist von der aus dem Samādhi geborenen Ekstase und Freude“ – damit ist die Grundkonzentration des zweiten Jhana gemeint. (c) Das Sūtra sagt: Einleitung: „In diesem Körper durchtränkt die von Ekstase freie Freude, durchtränkt voll und ganz, erfüllt voll und ganz und durchdringt voll und ganz“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration des dritten Jhana gemeint. „In diesem gesamten Körper gibt es keinen Ort, der nicht voll und ganz durchdrungen ist von der von Ekstase freien Freude“ – damit ist die Grundkonzentration des dritten Jhana gemeint. (d) Das Sūtra sagt: Einleitung: „In diesem Körper durchdringen der reine Geist und der klare Geist voll und ganz und verweilen“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration des vierten Jhana gemeint. „In diesem gesamten Körper gibt es keinen Ort, der nicht voll und ganz durchdrungen ist von dem reinen Geist und dem klaren Geist“ – damit ist die Grundkonzentration des vierten Jhana gemeint. (e) Das Sūtra sagt: „Weil alle Formwahrnehmung überschritten ist, weil die Wahrnehmung von Widerstand erloschen ist, weil die vielfältige Wahrnehmung nicht mehr verfolgt wird, tritt man in den grenzenlosen Raum ein – den Bereich des grenzenlosen Raums“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration dieses Bereichs gemeint. „Voll und ganz verweilt“ – damit ist die Grundkonzentration dieses Bereichs gemeint. (f) Das Sūtra sagt: „Nachdem der ganze Bereich des grenzenlosen Raums überschritten ist, tritt man in das grenzenlose Bewusstsein ein – den Bereich des grenzenlosen Bewusstseins“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration dieses Bereichs gemeint. „Voll und ganz verweilt“ – damit ist die Grundkonzentration dieses Bereichs gemeint. (g) Das Sūtra sagt: „Nachdem der ganze Bereich des grenzenlosen Bewusstseins überschritten ist, tritt man in den Bereich des Nichts ein – den Bereich des schlechthin Nichts“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration dieses Bereichs gemeint. „Voll und ganz verweilt“ – damit ist die Grundkonzentration dieses Bereichs gemeint. (h) Das Sūtra sagt: „Nachdem der ganze Bereich des Nichts überschritten ist, tritt man in den Bereich ein, der weder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung ist“ – damit ist die Nachbarschaftskonzentration dieses Bereichs gemeint. „Voll und ganz verweilt“ – damit ist die Grundkonzentration dieses Bereichs gemeint.

10 Q: Was ist der Patriarchale Chan? Was ist seine Grundlage? A: Der dritte Patriarch Sengcans Xìnxìn Míng (《信心铭》, Verse zu Vertrauen und Geist) sagt:

Der Große Weg ist nicht schwer; er vermeidet einzig das Auswählen und Verwerfen. Hasse und liebe einfach nicht, dann wird er voll und ganz klar und hell. Dies verweist auf das grundlegende Prinzip der täglichen Chan-Praxis: Was immer du auch tust, wenn du auf angenehme oder unangenehme Umstände triffst, lass nicht Gier oder Hass entstehen – halte dein Gewahrsein wach, ohne dich an etwas zu klammern, dann gehst du bereits den Großen Weg. Chan ist also nicht weit entfernt; es ist genau hier in diesem gegenwärtigen Augenblick. Die Dunhuang-Ausgabe des Plattform-Sūtra verzeichnet: Einleitung:

Was ist Nicht-Denken? Im Dharma des Nicht-Denkens erblickt man alle Dharmas, ohne an irgendeinem zu haften; man durchdringt alle Orte, ohne an irgendeinem zu haften. Indem man beständig das eigene Wesen läutert, treten die sechs Bewusstseine durch die sechs Sinntore hinaus; mitten in den sechs Sinnesobjekten weder haftend noch befleckt, frei kommend und gehend – dies ist die prajñā-Samādhi, die zìzài-(自在-)Befreiung, genannt die Praxis des Nicht-Denkens. Versuche nicht, „Nicht-Denken" dadurch zu erreichen, dass du an nichts denkst und alle Gedanken abschneidest – das ist eine Fesselung an Dharmas, genannt einseitige Ansicht.

Das Ein-Praxis-Samādhi bedeutet, zu allen Zeiten mit einem aufrechten Geist zu üben – im Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen. Das Vimalakīrti-Sutra lehrt: „Der aufrechte Geist ist das Bodhimaṇḍa, der aufrechte Geist das Reine Land." Wenn dein Geist Schmeichelei und Krummheit pflegt, während dein Mund von Aufrichtigkeit und dem Ein-Praxis-Samādhi spricht, bist du kein Jünger des Buddha. Übe einfach den aufrechten Geist, ohne an irgendeinen Dharma zu haften – dies wird Ein-Praxis-Samādhi genannt.

Ein Verblendeter haftet an dharmalakṣaṇa, haftet am Ein-Praxis-Samādhi und sagt unumwunden: „Unbewegt sitzen, verblendete Gedanken abschneiden, den Geist nicht entstehen lassen – das ist das Ein-Praxis-Samādhi." Wenn dem so wäre, fehlt es diesem Dharma an Klarheit und er würde zum Hindernis für den Weg. Der Weg fließt frei – wie könnte er stagnieren? Wenn der Geist nicht an Dharmas haftet, fließt der Weg frei; wenn er haftet, ist er gebunden.

Betrachtet man mit dieser Samādhi (prajñā-Samādhi und Ein-Praxis-Samādhi) die wahre Natur von Körper und Geist, so heißt es weiter im Platform-Sutra:

Einleitung:

Dieses meine Dharma-Pforte hat Samādhi und Weisheit zur Grundlage. Zuerst: Lasst euch nicht verwirren und glaubt nicht, Weisheit und Samādhi seien verschieden. Ihr Wesen ist eins, nicht zwei: Samādhi ist das Wesen der Weisheit, Weisheit die Funktion des Samādhi. Ist es Weisheit, so ist Samādhi in ihr enthalten; ist es Samādhi, so ist Weisheit in ihm enthalten. Ihr weisen Lehrer! So sind Samādhi und Weisheit einander gleich.

All diese Zitate weisen auf denselben wesentlichen Geist des Chan hin: Es geht darum, im täglichen Leben inneren Frieden zu bewahren, frei von der Befleckung durch die sechs Sinnesobjekte; das Gewahrsein durch alle Tätigkeiten fließen zu lassen; kein Haften im Geist aufkommen zu lassen; „äußerlich die Merkmale aller Dharmas geschickt zu unterscheiden, innerlich angesichts der letztgültigen Wahrheit unerschüttert zu sein" – das ist Chan.

11 F: Was ist „Lebens-Chan" (生活禅)?

A: Leiden entsteht aus Unwissenheit – solange du also Klarheit hast, gibt es kein Leiden. Klarheit ist Gewahrsein, also Achtsamkeit und klares Verstehen. Im Alltag kultivierst du dieses Gewahrsein kontinuierlich und hältst es ununterbrochen aufrecht; diese Form der Chan-Praxis nennen wir „Lebens-Chan". Das im Alltag gelebte Samādhi und die Weisheit sind die Medizin, die dem Leiden ein Ende setzt. Leiden entsteht aus Unwissenheit: Wer in einem Nebel lebt, kann die Wahrheit nicht klar erkennen. Um Leiden zu beenden, brauchst du also Klarheit – Gewahrsein, Achtsamkeit und klares Verstehen –, damit du im Alltag voll und ganz in Samādhi und Weisheit verwurzelt bist.

12 F: Was ist „Einsichts-Chan" (内观禅)?

A: Vipassanā (Einsicht) bedeutet, nach innen zu blicken und die wahre Realität des eigenen Körpers und Geistes zu beobachten. Im Grunde wird nicht zwischen Bewegung und Stille unterschieden, doch in der Praxis kennt das Training beide Formen. Der statische Ansatz betont das ruhige Sitzen, meist mit geschlossenen Augen. Zu dieser Kategorie gehören in der Theravāda-Einsichtstradition etwa die Methoden von S. N. Goenka und Pa Auk Sayadaw. Der dynamische Ansatz richtet die Aufmerksamkeit auf alle vier Körperhaltungen – Gehen, Stehen, Sitzen, Liegen – und nutzt Achtsamkeit und klares Verstehen, um jede Bewegung bewusst wahrzunehmen und jeden Gedanken klar zu erkennen, ohne sich darin zu verstricken. Auch hierzu zählen die Methoden von Luangpor Teean und Ajahn Nyan. Die Techniken der einzelnen Lehrenden unterscheiden sich zwar, doch bei allen geht es darum, mit einem Gewahrsein (Achtsamkeit und klares Verstehen) durch alle vier Haltungen zu gehen und Haltungswechsel als wichtigen Teil der Übung zu beobachten.

13 Q: Was ist „Bewegtes Chan" (动中禅)? Was ist seine Grundlage?

A: In allen alltäglichen Verrichtungen klar jede Bewegung gewahr zu sein und ununterbrochen von innen die wahre Realität von Körper und Geist zu beobachten – das ist „Bewegtes Chan" oder „Dynamische Einsicht". Das Mahāsatipaṭṭhāna Sutta sagt:

Einleitung:

„Bhikkhus! Ein Bhikkhu, wenn er geht, weiß er: Ich gehe. Wenn er steht, weiß er: Ich stehe. Wenn er sitzt, weiß er: Ich sitze. Wenn er liegt, weiß er: Ich liege. Wie auch immer sein Körper gelagert ist, er weiß es entsprechend."

„Bhikkhus! Ein Bhikkhu, ob er vorwärts geht oder zurückkehrt, handelt mit klarem Verstehen; ob er nach vorn oder nach hinten blickt, handelt er mit klarem Verstehen; ob er seinen Körper beugt oder streckt, handelt er mit klarem Verstehen; ob er seine Robe trägt und seine Almosenschale bei sich hat, handelt er mit klarem Verstehen; ob er isst, trinkt, kaut und schmeckt, handelt er mit klarem Verstehen; ob er den Bedürfnissen der Natur nachkommt, handelt er mit klarem Verstehen; ob er geht, steht, sitzt, liegt, erwacht, spricht oder schweigt – er handelt ebenso mit klarem Verstehen."

Diese Übungen werden im Alltag umgesetzt. Das Einzige, was du durch alles hindurch mit dir tragen musst, sind Achtsamkeit und klares Verstehen – dein eigenes unverkennbares Gewahrsein. Besonders betont wird das Kultivieren des Gewahrseins durch Gehmeditation. Sobald das Gewahrsein gestärkt ist, kannst du deine Gefühle, Gedanken und Dharmas (wie etwa flüchtige Gedanken) klar erkennen, und weder Leiden noch Freude ziehen dich mehr mit sich – du kannst einen wirklich ausgeglichenen Geist bewahren.

14 Q: Wie unterscheidet sich Lebens-Chan von Bewegtem Chan?

A: Im Grundsatz sind sie dasselbe. Bewegtes Chan (Dynamische Einsicht) fügt lediglich einige konkrete Übungsmethoden hinzu. Luangpor Teeans Training etwa beginnt mit der Wahrnehmung körperlicher Bewegungen, lässt das Gewahrsein wie eine ununterbrochene Kette weiterfließen, nutzt diese kraftvolle Wahrnehmung dann, um Gedanken zu beobachten, und verwirklicht so schließlich die wahre Realität von Körper und Geist. Ajahn Nyans Training besteht darin, jeden Wandel im gesamten körperlichen Bereich gewahr zu sein und mit yathābhūta-manasikāra (如理作意, „Aufmerksamkeit gemäß der Wirklichkeit") klar zu sehen, dass die Haltungswechsel dazu dienen, Leiden zu heilen. Diese einfachen, konkreten Techniken geben den Übenden einen klaren Pfad – das ist das Besondere dieser Methoden.

15 Q: Was ist die nianfo (念佛)-Methode? Wie wird sie im Alltag angewendet?

A: Zuerst strebst du in der Stille nach Einpunktigkeit des Geistes; dann überträgst du sie ins Handeln. Und so geht es:

a. Rezitiere den Namen so, dass er in ständigem Kontakt mit dem Geist bleibt; halte ihn dort, bis der*die Rezitierende und der wissende Geist eins werden.

b. In diesem Augenblick scheinen Atem und Körper zu verschwinden; der Geist wendet sich nichts anderem zu, nur das Gewahrsein bleibt – ohne ein Objekt, ohne einen Namen. Der Name ist vollständig losgelassen; was bleibt, ist allein das Gewahrsein, schlicht da. Dies wird cittaikāgratā (心一境性), „Einpunktigkeit des Geistes" genannt – der einpunktige Geist in der Stille.

c. Wenn du dann im Alltag auf günstige oder ungünstige Umstände triffst, hältst du die Gewahrheit durchgehend aufrecht, ohne dass Gier oder Hass entstehen, und du übst in allen vier Haltungen, sodass die reine Rezitation ununterbrochen bleibt. Das ist der einpunktige Geist im Handeln.

16 F: Was ist nianfo der wahren Wirklichkeit (实相念佛)?

A: Im gegenwärtigen Augenblick durch alle deine Tätigkeiten hindurch leben, sodass jeder Gedanke der Buddha-Natur entspricht – das ist nianfo der wahren Wirklichkeit. Wenn du das kannst, ist der gegenwärtige Augenblick selbst das Verweilen im Reinen Land.

17 F: Was sind Mahāmudrā und Dzogchen?

A: Mahāmudrā (大手印) und Dzogchen (大圆满) sind tibetische Chan-Methoden. Auch sie legen den Schwerpunkt auf die Gewahrheit, die sie unter anderem als „Natur der Klarheit" (明體), „mitgeborene Weisheit" (俱生智) oder „Lichtnatur des Geistes" (光明心) bezeichnen. Du erfasst die leuchtende Natur des Geistes im Alltag unmittelbar; wenn verblendete Gedanken aufsteigen, unterdrückst du sie weder noch jagst du ihnen nach – du verweilst einfach in der klaren, wachen Gewahrheit.

18 F: Was ist Gehmeditation? Worauf kommt es dabei an?

A: Yogācārabhūmi-śāstra (Śrāvaka-bhūmi) sagt:

„Gehmeditation bedeutet, auf einer Fläche von angemessener Länge und Ausdehnung, entsprechend der körperlichen Bewegung, hin und her zu gehen."

Gehmeditation ist also das Hin- und Hergehen über eine geeignete Strecke (ungefähr ein Dutzend Schritte). Beim Gehen entspanne deinen ganzen Körper, falte die Hände vor der Brust oder halte sie hinter dem Rücken, und gehe in einem natürlichen, angenehmen Tempo. Der Geist bleibt bei der Bewegung der Füße gewahr, ohne dich umzuschauen. Das Śrāvaka-bhūmi sagt:

„Sind die Sinnesorgane nach innen gezogen und der Geist nicht nach außen zerstreut, übt man Gehmeditation – weder zu eilig noch zu unruhig."

19 F: Warum ist Gehmeditation wichtig?

A: Gehmeditation ist eine einfache und effektive Methode, um körperliche und geistige Anspannung abzubauen:

a. Aus weltlicher Sicht: Wenn du jeden Morgen eine Stunde gehst, lindern sich viele chronische Beschwerden durch die Beinbewegung. Eine halbe Stunde Gehen nach den Mahlzeiten fördert zudem die Verdauung. Regelmäßiges Gehen kann das Fortschreiten von Osteoporose verlangsamen. Da du die Praxis mit einem entspannten, wachen Geist ausführst, beruhigt sich der Geist nach einiger Zeit von selbst – emotionale Turbulenzen legen sich –, und auch deine Widerstandskraft gegen Krankheiten wächst.

b. Gehmeditation löst nicht nur Stress, sondern reinigt auch den Geist. In den Āgama-Sūtras werden der Buddha und seine Jünger häufig beim Praktizieren von Gehmeditation im Freien erwähnt. Im Saṃyuktāgama (Sūtra 503) richtet der Buddha das Wort an Maudgalyāyana:

Zitat:

„Maudgalyāyana! Wenn dieser Bhikkhu tagsüber geht oder sitzt und seinen Geist durch ungehinderte Dharmas reinigt; am frühen Abend sitzt oder geht und seinen Geist durch ungehinderte Dharmas reinigt; um Mitternacht seine Behausung verlässt, um seine Füße zu waschen, dann zurückkehrt, sich auf die rechte Seite legt, einen Fuß auf den anderen legt, seinen Geist auf das morgendliche Licht richtet, mit rechter Achtsamkeit und klarer Gewahrheit, seine Gedanken auf das Entstehen gerichtet; in der zweiten Nachthälfte sanft erwacht und sanft aufsteht, sitzt oder geht und seinen Geist durch ungehinderte Dharmas reinigt – Maudgalyāyana! Das nennt man den eifrigen Fleiß eines Bhikkhus."

So sollten Jünger am frühen Morgen, tagsüber und am frühen Abend sowohl gehen als auch in Stille sitzen, um ihren Geist zu reinigen.

c. Gehmeditation kann die Hindernisse von Schläfrigkeit und Schlaf überwinden und rasch zum rechten Samādhi und zur Frucht der Verwirklichung führen. In Band 17 des Mūlasarvāstivāda Vinaya Kṣudraka-vastu fragt der Haushaltersohn Bhadra (寶德長者子) den Ehrwürdigen Ānanda:

Zitat:

„Ehrwürdiger! Wie erlangt ein Bhikkhu, der entschlossen übt, rasch die Vollendung und das rechte Samādhi?"

Ānanda erwidert:

„Wie der Buddha lehrte: Wer Samādhi aufnimmt und Gehmeditation fleißig übt, erlangt rasch das rechte Samādhi."

So ging Bhadra ununterbrochen – doch er überanstrengte sich. Da griff der Buddha ein, um ihn zu unterweisen:

„Genau wie beim Stimmen einer Saite – ist die Saite zu straff oder zu locker, klingt der Ton nicht angenehm. Nur wenn sie weder zu locker noch zu straff ist, klingt sie gut. Ebenso beim Üben: Dränge nicht zu sehr, gehe nicht zu langsam – bleibe in der Mitte."

Als Bhadra die Lehre des Buddha hörte, praktizierte er mit entspanntem, wachem Geist und erkannte bald die Frucht der Arhatschaft.

d. Auch der Ehrwürdige Ānanda selbst erreichte in einer einzigen Nacht durch Gehmeditation die Arhatschaft – nicht durch statisches Samādhi.

20 F: Was ist Erleuchtung? Kann sie verloren gehen?

A: Sobald du die wahre Wirklichkeit direkt erkennst und dabei die Unbeständigkeit und das Nicht-Selbst von Körper und Geist persönlich erfährst – das ist Erleuchtung. In diesem Augenblick werden die drei Fesseln zerstört: die Selbstansicht, das Festhalten an Regeln und Praktiken sowie der Zweifel. Diese Erleuchtung kennt keinen Rückschritt.

21 F: Was sind zusammengefasst die wesentlichen Punkte der Chan-Meditation?

A: Unterschiedliche geistige Anlagen führen zu unterschiedlichen Methoden, doch die Kernpunkte stimmen überein:

a. Kultiviere Bewusstheit (Achtsamkeit und klares Gewahrsein), sodass Samādhi und Weisheit im Gleichgewicht stehen.

b. Integriere die Praxis in dein Leben – übe in allen vier Haltungen, sodass bei günstigen wie ungünstigen Umständen weder Gier noch Hass entstehen und ein ausgeglichener Geist bewahrt wird.

c. Achte auf den gegenwärtigen Moment; sei dir jeden Gedankens klar bewusst. Konzentriere dich ganz auf das Üben; die Ergebnisse werden von selbst eintreten.

d. Halte dich an den Mittleren Weg. Bleibe zum Beispiel bei jeder Bewegung achtsam, ohne dich so starr auf einen Punkt zu fixieren, dass du deine Umgebung vergisst. Atmung und Gehen sollten eine gewisse Ordnung haben, bleibe dabei aber entspannt. Begegne günstigen wie ungünstigen Umständen mit Achtsamkeit, ohne dass Gier oder Hass aufkommen. All das sind Übungen des Mittleren Weges, und wenn sie vollendet sind, dann erlischt das Leid.