Professor Lin Chong'an: Die Theorie und Praxis der Zen-Meditation, Teil 4 – Empfindungen wie Wind beobachten
Achtsamkeit auf die Gefühle (vedanā-upassanā).
Die Theorie und Praxis der Chan-Meditation, vierte Vorlesung
Gefühle wie Wind beobachten
【Kernpunkt】: Achtsamkeit auf die Gefühle (vedanā-upassanā).
【Textgrundlage】: Sutta 471 des Saṃyuktāgama (Vermischte Lehrreden).
(01) So habe ich gehört: Zu einer Zeit weilte der Buddha im Bambushain von Kalandaka in Rājagṛha.
(2a) Damals wandte sich der Weltverehrte an die Bhikkhus: „Gleichwie heftige Winde unvermittelt am Himmel aufkommen und aus den vier Himmelsrichtungen wehen – es gibt staubtragende und staublose Winde, Vaiśākhā-Winde und Vyāvahārika-Winde, sanfte und heftige Winde, bis hin zu jenen, die das Windrad in Bewegung setzen –
(2b) so auch steigen im Körper die Winde des Gefühls in vielerlei Arten auf: angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme körperliche Gefühle; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme geistige Gefühle; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle mit Nahrung; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle ohne Nahrung; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle der Anhaftung; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle der Befreiung."
(03) Damals sprach der Weltverehrte diese Verse:
Gleich heftigen Winden im leeren Raum, aufsteigend aus allen Richtungen – Osten, Westen, Norden, Süden und den vier Zwischenrichtungen; staubtragend und staublos, bis hin zu jenen, die das Windrad in Bewegung setzen –, so auch steigen in diesem Körper die Gefühle in gleicher Weise auf.
Ob angenehm oder schmerzhaft, ob weder-noch; mit Nahrung oder ohne; angehaftet oder unangehaftet: Der eifrige Bhikkhu, mit unerschütterlichem rechten Wissen, durchschaut sie alle mit weiser Klarsicht. Wer alle Gefühle kennt, erschöpft in diesem Leben jegliche Verunreinigung; wenn der Körper endet, fällt er in keinen weiteren Zustand, sondern verweilt für immer im parinirvāṇa.
(04) Nach dieser Lehrrede nahmen die Bhikkhus, die der Weltverehrte gehört hatten, seine Worte mit Freude auf und setzten sie in die Praxis um.
【Erläuterung der Bedeutung des Sutra】
1. Das Tor der Verwandlung
Ferner: Jedes Gefühl, das, nachdem es in seiner Grundlage aufgekommen ist, zerfällt, sich auflöst und nicht bestehen bleibt, sondern rasch vergeht und dahinschwindet, ohne lange in einer gleichartigen Folge weiterzufließen – ein solches Gefühl ist als einem Wirbelwind gleichend zu betrachten.
2. Das Tor der Unterscheidungen
Darüber hinaus sind die Gefühle selbst (angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme), ihre Grundlagen (angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme körperliche Gefühle; angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme geistige Gefühle) und ihre Einteilung in befleckt oder rein – all dies zusammen bildet die Unterscheidungen zwischen den verschiedenen Arten von Gefühlen.
Gefühle mit Geschmack (angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle mit Nahrung) sind die weltlichen Gefühle.
Gefühle ohne Geschmack (angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle ohne Nahrung) sind die überweltlichen Gefühle.
Auf Verlangen gegründete Gefühle (angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle der Anhaftung) sind die befleckten Gefühle, die an die fünf angenehmen Sinnesobjekte gebunden sind.
Auf Entsagung gegründete Gefühle (angenehme, schmerzhafte und weder-schmerzhafte-noch-angenehme Gefühle der Befreiung) umfassen all die guten Gefühle – ob zur Sammlung gehörig oder nicht –, die zusammen mit Entsagung und Abgeschiedenheit entstehen.
【Kommentar zur Chan-Meditation】
Im Fluss des bedingten Entstehens lautet die Reihe: Kontakt, Gefühl, Verlangen, Ergreifen, Werden. Was dem Gefühl folgt – Verlangen, Ergreifen und Werden –, ist der Ort, an dem die Befleckungen wie Gier und Hass samt dem von ihnen erzeugten Karma entstehen. In der Meditation muss man daher an der Wurzel selbst ansetzen: beim Gefühl. Wer sich gegenwärtig hält, dass unsere Gefühle unbeständig und ohne Selbst sind, kann die Befleckungen und das Karma abschneiden, die sonst daraus folgen würden.