Professor Lin Chong-an: Der Aufbau der *Yogācārabhūmi-śāstra* und der *Prakaraṇāryavāca-śāstra*
Der Aufbau der Yogācārabhūmi-śāstra und der Prakaraṇāryavāca-śāstra
Der Aufbau der Yogācārabhūmi-śāstra und der Prakaraṇāryavāca-śāstra
und ihre Zusammenstellung
Lin Chong-an (2002)
Zusammenfassung
Dieser Beitrag untersucht den inhaltlichen Aufbau der Yogācārabhūmi-śāstra und der Prakaraṇāryavāca-śāstra. Dabei zeigt sich, dass der ursprüngliche Mūla-bhūmi (Grundlegender Abschnitt) vor allem auf den in den Āgamas überlieferten Lehren und Praktiken beruhte. Später erweiterte der Bodhisattva Asaṅga die „Bodhisattva-bhūmi" und maß dem Śrāvaka-Weg und dem Bodhisattva-Weg gleichermaßen Gewicht bei. Als er die Prakaraṇāryavāca-śāstra verfasste, trat der Bodhisattva-Weg in den Mittelpunkt. Anhand innerer Widersprüche in der Yogācārabhūmi-śāstra rekonstruiert der Beitrag zudem, wie Asaṅga beide Werke zusammenstellte.
Schlüsselwörter: Yogācārabhūmi-śāstra, Prakaraṇāryavāca-śāstra, Bodhisattva Asaṅga
I. Einleitung
Die Yogācārabhūmi-śāstra und die Prakaraṇāryavāca-śāstra gelten als zentrale Texte der Yogācāra-Schule. Dieser Beitrag umreißt zunächst die chinesischen und tibetischen Übersetzungen der beiden Werke sowie deren inhaltlichen Aufbau und wendet sich dann den inneren Widersprüchen der Yogācārabhūmi-śāstra zu, um daraus zu erschließen, wie der Bodhisattva Asaṅga beide Werke zusammenstellte.
II. Die chinesische und tibetische Überlieferung des Yogācārabhūmi-śāstra und des Prakaraṇāryavāca-śāstra
Die chinesische Überlieferung des Yogācārabhūmi-śāstra wird dem Bodhisattva Maitreya zugeschrieben; sie wurde auf kaiserlichen Befehl hin von dem Großen Tripiṭaka-Meister Xuanzang der Tang-Dynastie übersetzt. Das Werk umfasst 100 Faszikel und gliedert sich in fünf Abschnitte:
- Mūla-bhūmi (Grundabschnitt) (Fasz. 1–50), 50 Faszikel.
- Viniścaya-saṃgrahaṇī (Sammlung der Bestimmungen) (Fasz. 51–80), 30 Faszikel.
- Vivaraṇa-saṃgrahaṇī (Sammlung der Erläuterungen) (Fasz. 81–82), 2 Faszikel.
- Paryāya-saṃgrahaṇī (Sammlung der synonymen Begriffe) (Fasz. 83–84), 2 Faszikel.
- Vastu-saṃgrahaṇī (Sammlung der Themen) (Fasz. 85–100), 16 Faszikel. (Anm. 1)
Die tibetische Überlieferung wird dem Bodhisattva Asaṅga zugeschrieben; sie wurde gemeinsam von den indischen Gelehrten Prajñāvarman, Jñānamitra und Surendrabodhi sowie dem tibetischen Übersetzer Ye-shes-sde übersetzt. Wie die chinesische Fassung gliedert sich auch die tibetische in fünf Abschnitte, jedoch in abweichender Reihenfolge: Mūla-bhūmi, Viniścaya-saṃgrahaṇī, Vastu-saṃgrahaṇī, Paryāya-saṃgrahaṇī und Vivaraṇa-saṃgrahaṇī. Im Katalog des tibetischen Tripitaka (Dergé-Ausgabe) sind die Katalognummern und die zugehörigen Inhalte wie folgt aufgeführt:
- Nr. 4035: Aus der Mūla-bhūmi (chines. Fasz. 1–20) stammen die „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ" (Basis der fünf Sinnesbewusstseine), die „Mano-bhūmi" (Basis des Geistes), die drei mit der „Savitarkā-savicārā bhūmiḥ" beginnenden Basen („Samāhita-bhūmi" [Basis der meditativen Versenkung], „Asamāhita-bhūmi" [Basis der nicht-meditativen Versenkung]), die beiden Basen „Sacittaka" (mit Geist) und „Acittaka" (ohne Geist), die „Śruta-mayī bhūmi" (Basis des Studiums), die „Cintā-mayī bhūmi" (Basis des Nachsinnens) sowie die „Bhāvanā-mayī bhūmi" (Basis der Kultivierung).
- Nr. 4036: Ebenfalls aus der Mūla-bhūmi (chines. Fasz. 21–34) stammen die „Śrāvaka-bhūmi" (Basis der Śrāvakas) und die „Pratyeka-buddha-bhūmi" (Basis der Einzel-Buddhas).
- Nr. 4037: Ebenfalls aus der Mūla-bhūmi (chines. Fasz. 35–50) stammen die „Bodhisattva-bhūmi" (Basis der Bodhisattvas), die „Sopadhiśeṣā bhūmiḥ" (Basis mit verbleibendem Substrat) und die „Nirupadhiśeṣā bhūmiḥ" (Basis ohne verbleibendes Substrat).
- Nr. 4038: Die gesamte Viniścaya-saṃgrahaṇī (chines. Fasz. 51–80).
- Nr. 4039: Der Sūtra-vastu-Teil der Vastu-saṃgrahaṇī (chines. Fasz. 85–98).
- Nr. 4040: Die Abschnitte Vinaya-vastu und Mātṛkā-vastu der Vastu-saṃgrahaṇī (chines. Fasz. 99–100).
- Nr. 4041: Die gesamte Paryāya-saṃgrahaṇī (chines. Fasz. 83–84).
- Nr. 4042: Die gesamte Vivaraṇa-saṃgrahaṇī (chines. Fasz. 81–82). (Anm. 2)
Da die Viniścaya-saṃgrahaṇī die siebzehn bhūmis der Mūla-bhūmi nacheinander behandelt – von der „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ" bis zur „Nirupadhiśeṣā bhūmiḥ" (insgesamt siebzehn) – wurden diese beiden Abschnitte in Indien häufig gemeinsam überliefert. Die übrigen drei Abschnitte ließen sich dagegen einzeln überliefern – das erklärt, warum die Reihenfolge in der chinesischen und der tibetischen Fassung voneinander abweicht. Das ist leicht nachvollziehbar. Zudem belegen frühe chinesische Übersetzungen von Textfragmenten, dass diese fünf Abschnitte (oder sogar einzelne Teile davon) in Indien mitunter getrennt überliefert wurden. Beispielsweise:
- Shiqidi lun (Abhandlung über die siebzehn Basen), fünf Faszikel, übersetzt von Paramārtha, ca. 550 n. Chr.; Inhalt entspricht den Abschnitten „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ" und „Mano-bhūmi" der Mūla-bhūmi. (Anm. 3)
- Pusa dishi jing (Sūtra der Bodhisattva-Basen), zehn Faszikel, übersetzt von Dharmakṣema, ca. 426 n. Chr.; Inhalt entspricht der „Bodhisattva-bhūmi" der Mūla-bhūmi. (Anm. 4)
- Jueding zang lun (Abhandlung über die Schatzkammer der Bestimmungen), drei Faszikel, übersetzt von Paramārtha, ca. 569 n. Chr.; Inhalt entspricht den Teilen „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ" und „Mano-bhūmi" der Viniścaya-saṃgrahaṇī. (Anm. 5)
Die chinesische Überlieferung des Prakaraṇāryavāca-śāstra wird dem Bodhisattva Asaṅga zugeschrieben; sie wurde auf kaiserlichen Befehl hin von dem Großen Tripiṭaka-Meister Xuanzang der Tang-Dynastie übersetzt. Das Werk umfasst insgesamt 20 Faszikel in elf Kapiteln und wurde nicht ins Tibetische übersetzt. (Anm. 6)
III. Eine kurze Darstellung der Inhaltsstruktur des Yogācārabhūmi-śāstra und des Prakaraṇāryavāca-śāstra
Die Inhaltsstruktur des Yogācārabhūmi-śāstra lässt sich anhand der Erläuterung im Yogācārabhūmi-vyākhyā erkennen:
- Die Mūla-bhūmi bietet sowohl knappe als auch ausführliche Darlegungen der Bedeutungen der siebzehn bhūmis. 2. Die Viniścaya-saṃgrahaṇī sammelt und verdeutlicht die tiefgründigen, subtilen und wesentlichen Punkte innerhalb der siebzehn bhūmis. 3. Die Vivaraṇa-saṃgrahaṇī stellt die Regeln für die Auslegung der verschiedenen sūtras zusammen. 4. Die Paryāya-saṃgrahaṇī fasst die Unterschiede in den Namen und Bedeutungen der in den sūtras vorkommenden dharmas zusammen. 5. Die Vastu-saṃgrahaṇī vereint die wesentlichen Themen und Bedeutungen des Tripiṭaka. (Anmerkung 7)
Hier zeigt sich, dass die Mūla-bhūmi und die Viniścaya-saṃgrahaṇī dazu dienen, die Lehren der siebzehn bhūmis zu analysieren und zu verdeutlichen. Die Vivaraṇa-saṃgrahaṇī erklärt, wie die sūtras auszulegen sind; die Paryāya-saṃgrahaṇī erläutert die Namen und Bedeutungen der in den sūtras begegnenden dharmas; und die Vastu-saṃgrahaṇī legt die Lehren der sūtras, des Vinaya und des Abhidharma dar. Die „verschiedenen sūtras", auf die in diesen letzten drei Abschnitten Bezug genommen wird, sind in erster Linie die Āgama-sūtras. Bei den Beispielen für sūtra-Auslegungen in der Vivaraṇa-saṃgrahaṇī handelt es sich um Passagen aus dem Saṃyukta-āgama im Zusammenhang mit den drei Schulungen. Die Paryāya-saṃgrahaṇī erläutert die „formelhaften sūtra-Phrasen", die in den Āgamas häufig auftauchen, und liefert knappe Erklärungen zu Begriffen aus den Kategorien „weiß" (heilsam) und „schwarz" (unheilsam). (Anmerkung 8)
Der Sūtra-vastu-Abschnitt der Vastu-saṃgrahaṇī erläutert Passagen aus dem Saṃyukta-āgama anhand von siebzehn saṃyuktas: skandha, āyatana, pratītyasamutpāda, āhāra, satya, dhātu, vedanā, smṛtyupasthāna, samyakprahāṇa, ṛddhipāda, indriya, bala, bodhyaṅga, mārgaṅga, ānāpānasmṛti, den drei Schulungen sowie avetyaprasāda. (Anmerkung 9)
Wenden wir uns nun der Inhaltsstruktur der siebzehn bhūmis in der Mūla-bhūmi und der Viniścaya-saṃgrahaṇī zu:
Die „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ" und die „Mano-bhūmi" der Mūla-bhūmi untersuchen die fünf Sinnesbewusstseine und das geistige Bewusstsein im Hinblick auf svabhāva (Eigenart), āśraya (Grundlage), ālambana (Objekt), sahāya (Begleiter) und kāritra (Funktion). Abgesehen von bestimmten Passagen zur ālayavijñāna erfolgt die Darstellung durchgängig aus der Perspektive der Āgamas.
Die drei bhūmis der Mūla-bhūmi — „Savitarkā-savicārā bhūmiḥ" (Mit Anwendung und Untersuchung), „Avitarkā-vicāramātrā bhūmiḥ" (Nur Untersuchung, ohne Anwendung) und „Avitarkā-'vicārā bhūmiḥ" (Weder Anwendung noch Untersuchung) — werden durch fünf Zugangsweisen entfaltet: dhātu (Bereiche), lakṣaṇa (Merkmale), yoniśomanaskāra (korrekte geistige Anwendung), ayoniśomanaskāra (unkorrekte geistige Anwendung) und saṃkleśa-prabhava (Entstehung der Befleckungen). Im Rahmen der unkorrekten geistigen Anwendung werden sechzehn heterodoxe Anschauungen ausführlich beschrieben. Unter der Entstehung der Befleckungen werden drei Hauptthemen dargelegt: kleśa-saṃkleśa (Befleckung durch Affekte), karma-saṃkleśa (Befleckung durch Handlungen) und janma-saṃkleśa (Befleckung durch Geburt).
In der „Samāhita-bhūmi" der Mūla-bhūmi werden anhand von fünf Zugängen die vier großen Themen dhyāna (meditative Versenkung), vimokṣa (Befreiung), samādhi (Konzentration) und samāpatti (Erreichung) erörtert: allgemeine Bezeichnung, Begründung, Unterschiede im manaskāra (geistige Anwendung), Unterschiede im lakṣaṇa (Charakteristika) sowie eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Sūtra-Punkte. Hier liefert die „kurze Zusammenfassung wesentlicher Sūtra-Punkte" detaillierte Erläuterungen wichtiger Āgama-Passagen zur meditativen Konzentration. Die „Asamāhita-bhūmi" behandelt kurz die nicht-meditativen Zustände. Die „Sacittaka-bhūmi" und „Acittaka-bhūmi" (Mit Geist und Ohne Geist) werden ebenfalls über fünf Zugänge erklärt: Begründung durch bhūmi, Verstreutheit oder Unverstreutheit des Geistes, Entstehen oder Nicht-Entstehen, Zustände sowie paramārtha (höchste Wahrheit). All dies bleibt in erster Linie der traditionellen Āgama-Perspektive verhaftet.
In der „Śruta-mayī bhūmi" der Mūla-bhūmi werden die fünf vidyās (Wissenschaften) dargelegt, wobei der Schwerpunkt auf adhyātma-vidyā (innere Wissenschaft) und hetu-vidyā (Logik) liegt. Innerhalb der adhyātma-vidyā konzentriert sich die Darstellung auf „die erkennbaren Aspekte der Phänomene, wie sie in der Lehre des Buddha dargelegt werden", wobei systematisch numerische Kategorien von dharmas von eins bis zehn vorgestellt werden — Terminologie und Lehre entstammen dabei vollständig den Āgamas.
In der „Cintā-mayī bhūmi" werden drei Zugänge unterschieden: svabhāva-viśuddhi (Reinheit des Eigenwesens), cintā-jñeya (Kontemplation des Erkennbaren) und cintā-dharma (Kontemplation der dharmas). Das Hauptthema bildet hier die Bedeutung der „gāthās" im Rahmen der Kontemplation der dharmas, wobei auf die arthāvatāra-gāthā (ein langer Vers), die abhiprāya-gāthā (ein langer Vers) sowie die prakṛti- und artha-gāthās (dreizehn bzw. siebenundzwanzig Verse) zurückgegriffen wird. Dabei handelt es sich durchweg um wichtige gāthās (Verse) aus den Āgamas, deren wesentliche Bedeutungen einzeln kontempliert werden.
In der „Bhāvanā-mayī bhūmi" werden sieben Faktoren ausführlich behandelt: (1) janma-saṃpad (Vollkommenheit der Geburt), (2) saddharma-śruta-saṃpad (Vollkommenheit des Hörens des wahren Dharma), (3) nirvāṇa-parama (nirvāṇa als das Höchste), (4) vimukti-paripāka-prajñā-paripāka (Reifung der Weisheit, die zur Reifung der Befreiung führt), (5) pratipakṣa-bhāvanā (Kultivierung von Gegenmitteln, einschließlich zehn Wahrnehmungen), (6) laukikasarvākāra-viśuddhi (vollständige Reinheit aller Aspekte des Weltlichen) und (7) lokottarasarvākāra-viśuddhi (vollständige Reinheit aller Aspekte des Überweltlichen). Nichts davon geht über die traditionelle Āgama-Lehre hinaus.
In der Śrāvaka-bhūmi der Mūla-bhūmi ist der Inhalt in vier Yogastufen (Yogāvasthā) gegliedert. Die erste Yogastufe gliedert sich in drei Abschnitte: Gotra-Bhūmi (Grundlage der geistigen Anlage), Praveśa-Bhūmi (Grundlage des Eintritts) und Naiṣkramaṇāśā-Bhūmi (Grundlage der Aspiration zur Weltentsagung). Ihre zentralen Punkte sind die zwölf niederen Voraussetzungen ((1) eigene Vollständigkeit, (2) Vollständigkeit durch andere, (3) Verlangen nach heilsamen Dharmas, (4) rechte Weltentsagung, (5) Einhaltung der Gebote, (6) Zügelung der Sinne, (7) die rechte Menge beim Essen zu erkennen, (8) beständiger Fleiß in der Yogapraxis des Wachseins in der ersten und letzten Nachtwache, (9) Verweilen mit klarem Bewusstsein, (10) Freude an der Einsamkeit, (11) Reinigung der Hindernisse und (12) Vertrauen auf Samādhi) sowie die vierzehn Voraussetzungen für den weltlichen und überweltlichen Pfad der Leidenschaftslosigkeit ((1) eigene Vollständigkeit, (2) Vollständigkeit durch andere, (3) Verlangen nach heilsamen Dharmas, (4) Einhaltung der Gebote, (5) Zügelung der Sinne, (6) die rechte Menge beim Essen zu erkennen, (7) beständiger Fleiß in der Yogapraxis des Wachseins in der ersten und letzten Nachtwache, (8) Verweilen mit klarem Bewusstsein, (9) gute geistige Freunde, (10) Hören des wahren Dharma, (11) Reflektieren über den wahren Dharma, (12) Freiheit von Hindernissen, (13) Kultivierung der Großzügigkeit und (14) Würde eines Śramaṇa). Obwohl es beträchtliche Wiederholungen gibt, erfasst der Inhalt die wesentlichen Punkte des in den Āgamas gelehrten Weges der Voraussetzungen (saṃbhāra-mārga).
Die zweite Yogastufe der Śrāvaka-bhūmi umfasst siebzehn Themen, darunter Arten von Personen, Konzentrationsobjekte, Unterweisung und Schulung. Der Schwerpunkt liegt auf den Konzentrationsobjekten des Yoga (unterteilt in (1) allgegenwärtige Objekte, (2) Objekte zur Läuterung des Verhaltens, (3) Objekte geschickter Mittel und (4) Objekte zur Reinigung von Befleckungen) sowie den Praktiken der Yogakultivierung (unterteilt in (1) Wahrnehmungskultivierung und (2) Bodhyaṅga-Kultivierung). Diese entsprechen den zentralen Konzentrationsobjekten und Übungsmethoden für Yogins, wie sie in den Āgamas überliefert sind.
Die dritte Yogastufe der Śrāvaka-bhūmi kennt vier Zugänge: (1) das Aufsuchen zur Befragung, (2) das Frohlocken und Trösten, (3) das sorgfältige Stellen von Fragen und (4) das Festigen. Im Mittelpunkt steht hier die Verwirklichung von „Einpunktigkeit des Geistes, Reinigung der Hindernisse und Kultivierung geistiger Anwendung“, mit detaillierten Beschreibungen der neun Verweilzustände des Geistes (navākārā cittasthiti), der sechsfachen Unterscheidungsobjekte der Vipaśyanā sowie Anleitungen zur Kontemplation der Unreinheit und zur Kultivierung der liebenden Güte für Anfänger.
Die vierte Yogastufe der Śrāvaka-bhūmi begleitet Praktizierende, die bereits geistige Anwendung verwirklicht haben, bei der Kultivierung des weltlichen und überweltlichen Pfades. All diese Ausführungen folgen dem lehrmäßigen Rahmen der Āgamas und beschreiben den Übungsprozess, durch den Personen unterschiedlicher geistiger Anlagen die Frucht der Arhatschaft erlangen.
Die Pratyeka-buddha-bhūmi der Mūla-bhūmi gibt einen kurzen Überblick über die geistige Anlage, den Pfad, die Schulung, den Aufenthaltsort und das Verhalten von Pratyekabuddhas.
Die „Bodhisattva-bhūmi" der Mūla-bhūmi gliedert sich in vier Yoga-Stufen mit insgesamt achtundzwanzig Kapiteln: (1) gotra (geistige Disposition), (2) bodhicittotpāda (Erweckung des Erleuchtungsgedankens), (3) svaparārtha (Wohl von sich und anderen), (4) tattvārtha (wahre Bedeutung), (5) ṛddhi (übernatürliche Kraft), (6) paripāka (Reifung), (7) bodhi (Erwachen), (8) balagotra (Anlage der Kräfte), (9) dāna (Großzügigkeit), (10) śīla (ethisches Verhalten), (11) kṣānti (Geduld), (12) vīrya (Eifer), (13) dhyāna (meditative Versenkung), (14) prajñā (Weisheit), (15) saṃgraha-vastu (Mittel zur Schülersammlung), (16) pūjā-saṃsevana-apramāṇa (Verehrung, Dienst und Unermesslichkeiten), (17) bodhipakṣa (Erweckungsfaktoren), (18) guṇa (Qualitäten), (19) bodhisattva-lakṣaṇa (Merkmale eines Bodhisattva), (20) bhāga (Unterteilungen), (21) adhyāśaya (erhabene Absicht), (22) sthāna (Aufenthaltsorte), (23) janma (Geburt), (24) saṃgrahaṇa (Sammlung), (25) bhūmi (Stufen), (26) caryā (Verhalten), (27) vyavasthāna (Festlegung) und (28) samyak-saṃbodhi-cittotpāda (Erweckung des Gedankens vollkommener, vollständiger Erleuchtung). Das achtundzwanzigste Kapitel fasst die stufenweise Praxis der vorhergehenden siebenundzwanzig zusammen. Den umfangreichen Inhalt dieser „Bodhisattva-bhūmi" stellte man auf Grundlage von Mahāyāna-Sūtras außerhalb der Āgamas zusammen.
Die „Sopadhiśeṣā bhūmiḥ" und „Nirupadhiśeṣā bhūmiḥ" der Mūla-bhūmi beschreiben nur kurz die Fruchtzustände des Arhat-Bhikṣu.
Zusammengenommen sind es diese siebzehn bhūmis: Die ersten neun betreffen den „Bereich" (viṣaya), die mittleren sechs (Śruta-mayī, Cintā-mayī, Bhāvanā-mayī, Śrāvaka, Pratyeka-buddha und Bodhisattva) gehören zur „Praxis" (caryā), und die letzten beiden (Sopadhiśeṣā und Nirupadhiśeṣā) entsprechen der „Frucht" (phala).
Das Viniścaya-saṃgrahaṇī nimmt die siebzehn bhūmis der Reihe nach auf und klärt schwierige Punkte. Es liefert ausführliche lehrmäßige Analysen zur „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ und Mano-bhūmi", zu den „drei bhūmis beginnend mit Savitarkā-savicārā", zur „Śrāvaka-bhūmi" und zur „Bodhisattva-bhūmi". Bemerkenswerterweise wird im Abschnitt über die „Pañcavijñānakāya-saṃprayuktā bhūmiḥ und Mano-bhūmi" gezielt für die Existenz des ālayavijñāna argumentiert. Bei der Behandlung der „Bodhisattva-bhūmi" werden, ausgehend von „paramārtha-satya" (höchste Wahrheit), ausführliche Zitate aus dem Saṃdhinirmocana-sūtra herangezogen — zur höchsten Wahrheit, zum Yoga, zur bhūmi-pāramitā und zur Vollendung aller Ziele durch den Tathāgata (die definitiven Lehren).
Das Vivaraṇa-saṃgrahaṇī legt die Regeln für die Auslegung der Sūtras dar und zitiert Beispiele aus den Āgamas („O ihr Bhikṣus, verweilt in den Regeln; die Regeln sind die Grundlage aller heilsamen Eigenschaften. Studiert sie und haltet sie gut ein. Überweltliche Weisheit ist das Vornehmste; die Befreiung ist gewiss; Achtsamkeit ist das Höchste").
Das Paryāya-saṃgrahaṇī erläutert unmittelbar formelhafte Sūtra-Wendungen aus den Āgamas, etwa: „Dieses Leben ist erschöpft, das heilige Leben ist begründet, was zu tun war, ist getan, und es wird kein weiteres Werden geben."
Das Sūtra-vastu des Vastu-saṃgrahaṇī erläutert der Reihe nach die wesentlichen Bedeutungen von Passagen in den Skandha-, Āyatana-, Pratītyasamutpāda- und Mārga-Abschnitten des Saṃyukta-āgama.
Das Vinaya-vastu und das Mātṛkā-vastu des Vastu-saṃgrahaṇī behandeln jeweils das Prātimokṣa-sūtra (Regeln der individuellen Befreiung) sowie eine Bedeutungszusammenfassung zu Befleckung und Läuterung.
Die Inhaltsstruktur des Prakaraṇāryavāca-śāstra umfasst elf Kapitel in folgender Reihenfolge: das Vastu-saṃgraha-Kapitel, das Vastu-viśuddhi-padārtha-Kapitel, das Saṃprajñanādhikāra-Kapitel, das Anityatādhikāra-Kapitel, das Duḥkhādhikāra-Kapitel, das Śūnyatādhikāra-Kapitel, das Aprakṛtitādhikāra-Kapitel, das Abhisamayādhikāra-Kapitel, das Yogādhikāra-Kapitel, das Acintyādhikāra-Kapitel und das Paramaviniścaya-saṃgraha-Kapitel.
Im Kapitel Vastu-saṃgraha werden neun Themen zusammengefasst: alle Dharmas, Dhātus, Befleckungen, Wahrheiten, Grundlagen, Erweckungsfaktoren, Personen, Früchte und Qualitäten. Dabei bezieht sich „alle Dharmas" auf die fünf Dharmas: Geist (citta), geistige Faktoren (caitta), Form (rūpa), nicht-zugeordnete Formationen (cittaviprayukta-saṃskāra) und das Unbedingte (asaṃskṛta).
Im Kapitel Vastu-viśuddhi-padārtha stehen zunächst die vier reinen Qualitäten und die zwei Wahrheiten im Mittelpunkt, gefolgt von separaten Darlegungen über Studium, Zufluchtnahme, Übung und Bodhi. Den Abschluss bilden Erörterungen verschiedener edler Praktiken, des höchsten Fahrzeugs, der großen Erweckung, der Qualitäten, heterodoxer Ansichten, der Methode der Debatte und der Erklärung.
4. Geringfügige doktrinäre Abweichungen zwischen den fünf Abschnitten des Yogācārabhūmi-Traktats
Um zu klären, ob das Yogācārabhūmi-Traktat von Bodhisattva Maitreya verfasst oder von Bodhisattva Asaṅga zusammengestellt wurde, ist es zunächst hilfreich zu prüfen, ob die Lehre in seinen fünf Abschnitten inhaltlich übereinstimmt. Die folgenden Beispiele verdeutlichen dies:
(1) Abweichungen zwischen dem Grundabschnitt und dem Abschnitt zur Sammlung von Variantenbegriffen
Im Bodhisattva-Bereich (Bd. 38) des Grundabschnitts werden die Ehrennamen Sugata (der Wohlgegangene) und Anuttara Puruṣa Damya Sārathin (der Unübertroffene Wagenlenker der Menschen) wie folgt erklärt:
Wer die höchste Stufe erklommen hat und niemals wieder zurückfällt, wird der Wohlgegangene genannt. Er ist der einzige wahre Mensch in der Welt, der die höchsten geschickten Mittel zur Zähmung des Geistes vollkommen kennt; daher wird er der Unübertroffene Wagenlenker der Menschen genannt. (Anmerkung 10)
Im Gegensatz dazu bietet der Abschnitt zur Sammlung von Variantenbegriffen (Bd. 83) eine andere Erklärung:
Man sagt, er sei der Wohlgegangene, weil er über die lange Nacht des Saṃsāra hinweg Verdienste jeder Art sowohl für sein eigenes Wohl als auch für das Wohl anderer kultiviert. Er ist der Unübertroffene Wagenlenker der Menschen, weil seine Weisheit unvergleichlich ist und niemand ihn übertrifft. (Anmerkung 11)
Diese beiden Abschnitte unterscheiden sich geringfügig darin, wie sie die zehn Ehrennamen des Tathāgata, seine Verdienstqualitäten und seine Weisheit beschreiben. Doch diese Unterschiede spiegeln keine widersprüchlichen philosophischen Positionen wider.
(2) Abweichungen zwischen dem Grundabschnitt und dem Abschnitt zur Themensammlung
Der Śrāvaka-Bereich (Bd. 26) des Grundabschnitts führt aus:
Betrachtet man eine Leiche, die verfärbt und bläulich ist, oder die eitert und verwest, oder die verfällt und sich zersetzt, oder die aufgebläht ist, oder die von Aasfressern gefressen wird, so reinigt dies den Geist von Anhaftung an sichtbare Formen. Betrachtet man eine rot gewordene Leiche, so reinigt dies den Geist von Anhaftung an die Gestalten der Formen. Betrachtet man Knochen, Ketten von Knochen oder Haufen von Knochen, so reinigt dies den Geist von Anhaftung an angenehme taktile Empfindungen. Betrachtet man eine zerstreute und zerstückelte Leiche, so reinigt dies den Geist von Anhaftung daran, bedient und umsorgt zu werden. (Anmerkung 12)
Im Gegensatz dazu listet der Abschnitt zur Themensammlung (Bd. 98) die folgenden Gegenmittel gegen die fünf Anhaftungen auf:
Hier beginnt die Betrachtung mit der Bläulichkeit und endet mit der Aufblähung [der Reihenfolge], um der Anhaftung an schöne Formen entgegenzuwirken. Die Betrachtung des Gefressenwerdens durch Aasfresser, die einer rot werdenden Leiche und die einer zerstreuten Leiche wirken der Anhaftung an das physische Erscheinungsbild entgegen. Die Betrachtung von Knochenketten und Knochenhaufen wirkt der Anhaftung an feine Berührungsempfindungen entgegen. Die Betrachtung, dass eine Leiche kein Bewusstsein hat, und ihre Betrachtung als leerer, empfindungsloser Körper wirken der Anhaftung daran entgegen, umsorgt und bedient zu werden. (Anmerkung 13)
Die beiden Abschnitte ordnen die Betrachtungsobjekte den Anhaftungen, denen sie entgegenwirken, unterschiedlich zu. Dies deutet darauf hin, dass sie aus unterschiedlichem Quellenmaterial schöpfen.
(3) Abweichungen zwischen dem Abschnitt zur Sammlung unterscheidender Analyse und dem Abschnitt zur Themensammlung
Der Śrāvaka-Grund (Band 70) des Abschnitts zur differenzierenden Analyse lautet:
Was ist die Betrachtung des Körpers, die im Dharma des Entstehens verweilt? Sie besteht darin, zu beobachten, dass dieser Körper aus vergangenen Leben und aus gegenwärtiger Nahrung und Getränken entsteht. Was ist die Betrachtung des Körpers, die im Dharma des Vergehens verweilt? Sie besteht darin, zu beobachten, dass dieser Körper in künftigen Leben dem Tod und dem Vergehen unterworfen ist. Was ist die Betrachtung des Körpers, die im Dharma sowohl des Entstehens als auch des Vergehens verweilt? Sie besteht darin, zu beobachten, dass dieser Körper im gegenwärtigen Leben durch Nahrung und Getränke wächst und bestehen bleibt und unweigerlich auseinanderfallen wird. (Anmerkung 14)
Im Gegensatz dazu lautet die Aussage des Abschnitts zur Sammlung von Themen (Band 97):
Für die Zukunft gilt: Man sollte in der Betrachtung dem Dharma des Entstehens folgen. Für die Vergangenheit gilt: Man sollte in der Betrachtung dem Dharma des Vergehens folgen. Für die Gegenwart gilt: Da es sich um einen Dharma handelt, der unmittelbar nach dem Entstehen vergeht, sollte man in der Betrachtung dem Dharma sowohl des Entstehens als auch des Vergehens folgen. (Anmerkung 15)
Die beiden Abschnitte weisen die drei Dharmas – Entstehen, Vergehen sowie sowohl Entstehen als auch Vergehen – jeweils unterschiedlich zu.
(4) Diskrepanzen zwischen dem Abschnitt zur differenzierenden Analyse und dem Abschnitt zur Sammlung von Variantentermen
Der Śrāvaka-Grund (Band 70) des Abschnitts zur differenzierenden Analyse lautet:
Durch welche zwei Ursachen wird ein Stūpa errichtet? Erstens, weil es auf der Grundlage erwachten Verstehens erbaut wird; zweitens, weil es ein vertrauenswürdiger Zufluchtsort ist. Durch welche zwei Ursachen ist es ein vertrauenswürdiger Zufluchtsort? Erstens, weil man in der Weisheit Zuflucht nimmt und nicht im gewöhnlichen Bewusstsein; zweitens, weil der Lehrer der Tathāgata, Arhat, Vollkommen Erwachter ist. Durch welche zwei Ursachen ist der Lehrer der Tathāgata, Arhat, Vollkommen Erwachter? Erstens, weil er alle Zweifel beseitigt hat; zweitens, weil bei ihm kein fehlerhaftes oder häretisches Verhalten nachweisbar ist. (Anmerkung 16)
Im Gegensatz dazu bietet der Abschnitt zur Sammlung von Variantentermen (Band 83) folgende Erklärung:
Ein Stūpa bleibt bestehen, weil es von nicht-buddhistischen Asketen, Māra oder anderen weltlichen Wesen nicht erschüttert oder zerstört werden kann. Es wird als vertrauenswürdiger Zufluchtsort bezeichnet, weil es die vierfache Stütze verkörpert, frei von jeglichem Fehler und jeder Verderbnis. Der Lehrer ist der Tathāgata, Arhat, Vollkommen Erwachter, weil seine Lehren vollkommen rein und unbefleckt sind. (Anmerkung 17)
Obwohl diese beiden Erklärungen verwandte Themen berühren, stammen sie eindeutig aus unterschiedlichen Quellen.
(5) Diskrepanzen zwischen dem Grundabschnitt und dem Abschnitt zur Sammlung exegetischer Erklärungen
In der zwölffachen Einteilung der buddhistischen Lehren wird die Kategorie Nidāna (manchmal als „Ursachen und Bedingungen“ oder „Bedingtes Entstehen“ wiedergegeben) im Grundabschnitt (Band 25) folgendermaßen definiert:
Was ist Nidāna? Damit werden Schriften bezeichnet, die den Namen und die Abstammungslinie der Person festhalten, die die Lehre erbeten hat, auf die diese Bitte hin dargelegt wurde, sowie alle mit Prātimokṣa zusammenhängenden Sūtras, die mit spezifischen Ursachen und Bedingungen für die Praxis der individuellen Befreiung verbunden sind. Diese werden Nidāna genannt. (Anmerkung 18)
Der Abschnitt zur Sammlung exegetischer Erklärungen (Band 81) erklärt es wie folgt:
Nidāna bezieht sich auf Lehren, die als Antwort auf eine Bitte gegeben wurden. Wie es in einem Sūtra heißt: „Einmal erläuterte der Weltverehrte Buddha den bhikṣus unter Verwendung des Beispiels eines schwarzen Hirsches das wesentliche Dharma.“ Es umfasst außerdem alle mit dem Vinaya zusammenhängenden Reden, die dem aus spezifischen Ursachen und Bedingungen hervorgegangenen Pfad der individuellen Befreiung folgen. Der Text hält außerdem fest: „Der Weltverehrte Buddha stützte sich auf solche und solche Ursachen und Bedingungen, solche und solche Kontexte, um solche und solche Worte darzulegen.“ (Anmerkung 19)
Während die Grundlegende Sektion (Basic Section) Nidāna unter Verweis auf »auf eine Bitte hin gegebene Lehrreden« und »Vinaya-Lehrreden« definiert, ergänzt die Sektion der Sammlung exegetischer Erläuterungen (Collection of Exegetical Explanation Section) die Kategorie des »Sich-Stützens auf Ursachen und Bedingungen«, um den Inhalt der Nidāna-Sūtren zu erläutern. Obwohl der Unterschied geringfügig ist, ziehen die beiden Sektionen unterschiedliches Quellenmaterial heran.
(6) Interne doktrinäre Diskrepanzen innerhalb des Śrāvaka-Bodens der Grundlegenden Sektion
Neben Diskrepanzen zwischen einzelnen Sektionen finden sich auch abweichende Erklärungen ein und derselben Sektion. Beispielsweise heißt es im Ersten Yoga-Boden (Bd. 28) des Śrāvaka-Bodens:
Wenn man die Merkmale des eigenen Körpers – Haare, Körperhaare, Nägel, Zähne und so weiter – zum Gegenstand der Meditation nimmt, gilt dies als Verweilen in der Körperbetrachtung hinsichtlich des Inneren. Wenn man die Merkmale fremder Körper – etwa Haare, Körperhaare, Nägel und Zähne – zum Gegenstand nimmt, gilt dies als Verweilen in der Körperbetrachtung hinsichtlich des Äußeren. Wenn man die Merkmale des eigenen äußeren Körpers in seinem veränderten oder unveränderten Zustand – etwa bläuliche Verfärbung – sowie dieselben Merkmale der äußeren Körper anderer zum Gegenstand nimmt und dabei die gleiche Natur aller Phänomene als Objekt festhält, gilt dies als Verweilen in der Körperbetrachtung hinsichtlich sowohl des Inneren als auch des Äußeren. Ebenso gilt es als Verweilen in der Betrachtung der Gefühle, des Geistes beziehungsweise der Dharmas, wenn man die aus den drei oben genannten Formtypen hervorgehenden Gefühle, Geist und Dharmas entsprechend zum Gegenstand der Meditation nimmt. (Anmerkung 20)
Demgegenüber heißt es im Dritten Yoga-Boden (Bd. 32) des Śrāvaka-Bodens:
Zunächst nimm die Merkmale der sechsunddreißig Teile deines inneren Körpers, von Haaren und Körperhaaren bis zum Urin, deutlich wahr……und richte dann deinen Geist nach innen. Das gilt als Praktizieren der Körperbetrachtung hinsichtlich des Inneren. Anschließend nimm die Merkmale aller unreinen äußeren Objekte wahr……und richte deinen Geist nach innen. Das gilt als Praktizieren der Körperbetrachtung hinsichtlich des Äußeren. Danach nimm erneut die Merkmale aller unreinen Objekte in den inneren und äußeren Aspekten deines eigenen Körpers wahr, mache dabei deinen Geist klar und deutlich, und nimm ebenso die Merkmale der unreinen inneren und äußeren Aspekte fremder Körper wahr……und richte anschließend deinen Geist nach innen. Das gilt als Praktizieren der Körperbetrachtung hinsichtlich sowohl des Inneren als auch des Äußeren. Du solltest außerdem durch die Kraft des Hörens und der Reflexion die Merkmale der vier formlosen Aggregate diskriminierend erfassen und ein sicheres Verständnis der drei Kategorien aufbauen: erstens die Samādhi-Kategorie; zweitens die Kategorie der Nicht-Ablenkung; drittens die Vipaśyanā-Kategorie. (Dadurch, dass du dieses sichere Verständnis der drei Kategorien auf die vier formlosen Aggregate als Gegenstand beziehst) wird dies nacheinander als Praktizieren der Betrachtung von Gefühlen, Geist und Dharmas hinsichtlich des Inneren, als Praktizieren der Betrachtung von Gefühlen, Geist und Dharmas hinsichtlich des Äußeren sowie als Praktizieren der Betrachtung von Gefühlen, Geist und Dharmas hinsichtlich sowohl des Inneren als auch des Äußeren bezeichnet. (Anmerkung 21)
Zwischen den Methoden für die Praxis der vier Achtsamkeitsgrundlagen, die in die drei Gruppen des Inneren, Äußeren sowie des sowohl Inneren als auch Äußeren unterteilt sind, bestehen zwischen den beiden Yoga-Böden erhebliche Unterschiede; in keinem von beiden findet sich eine übereinstimmende Erklärung dieser drei Gruppen. Das zeigt, dass selbst innerhalb einer einzigen Sektion unterschiedliches Quellenmaterial zum Tragen kommt.
All diese Beispiele zeigen, dass die Yogācārabhūmi-Abhandlung aus einer breiten Vielfalt unterschiedlicher Quellen kompiliert wurde. Die Diskrepanzen zwischen den Sektionen spiegeln keine widerstreitenden philosophischen Positionen verschiedener Lehrschulen wider, sondern lediglich geringfügige Erklärungsunterschiede. Indem wir auf diese geringfügigen lehrbezogenen Variationen achten, können wir nachvollziehen, wie sowohl die Yogācārabhūmi-Abhandlung als auch Asaṅgas Darlegung der erhabenen Lehre (Xian Yang Sheng Jiao Lun) zusammengestellt wurden.
- Die Kompilation des Yogācārabhūmi-Traktats und Asaṅgas Darlegung der erhabenen Lehre
Im langen Zeitraum zwischen dem Hinscheiden des Buddha (um 486 v. u. Z.) und der Geburt des Bodhisattva Asaṅga (310–390 u. Z.) wurden die Lehren des Buddha in Indien über Generationen hinweg weitergegeben. Neben den frühen Āgama-Sūtren und Śāstras waren auch Mahāyāna-Sūtren und Śāstras weit verbreitet. Im vierten Jahrhundert u. Z. war Asaṅga der große Synthetiker der buddhistischen Lehren seiner Zeit. Einer seiner wichtigsten Beiträge war die Verbreitung des Yogācārabhūmi-Traktats in ganz Indien, der seinen Zeitgenossen ein grundlegendes Gerüst für Lehre und Praxis bot und die Erneuerung des Buddhismus förderte. Ausgehend von den unterschiedlichen lehrmäßigen Schwerpunkten der fünf oben erörterten Abschnitte des Yogācārabhūmi lässt sich folgender Kompilationsprozess des Traktats rekonstruieren:
- Über die Generationen buddhistischer Überlieferung hinweg stellten praxisorientierte Praktizierende die Kernpunkte ihrer Schulung in Texten zusammen. Da jede Gruppe ihre eigenen Schwerpunkte hatte, entstanden verschiedene bedeutsame Quellentexte. Asaṅga kompilierte, ergänzte und ordnete diese Materialien und schuf so den Grundlegenden Abschnitt (50 Bände), der sich in siebzehn Stufen gliedert. Wie das Yogācārabhūmi-Traktat (Bd. 1) eingangs feststellt:
- Die Stufe der Fünf Sinnesbewusstseine
- Die Mentale Stufe
- Die Stufe mit Untersuchung und Analyse
- Die Stufe ohne Untersuchung, aber mit Analyse
- Die Stufe ohne Untersuchung und ohne Analyse
- Die Stufe der meditativen Versenkung
- Die Stufe der nicht-meditativen Versenkung
- Die Stufe des Geistes
- Die Stufe des Nicht-Geistes
- Die Stufe des durch Hören erlangten Wissens
- Die Stufe des durch Nachdenken erlangten Wissens
- Die Stufe des durch meditative Kultivierung erlangten Wissens
- Die Śrāvaka-Stufe
- Die Pratyekabuddha-Stufe
- Die Bodhisattva-Stufe
- Die Stufe mit verbleibender Anhaftung
- Die Stufe ohne verbleibende Anhaftung Kurz gesagt, diese siebzehn werden die Stufen des Yoga-Praktizierenden genannt. (Anm. 22)
Diese Passage macht deutlich, dass die siebzehn Stufen den ältesten Kern des Yogācārabhūmi-Traktats bilden, den Asaṅga kompilierte, ergänzte und im Grundlegenden Abschnitt des Traktats zusammenfügte. Die geringfügigen lehrmäßigen Widersprüche innerhalb des Textes verraten deutliche Spuren redaktioneller Arbeit; da jedes Quellenmaterial wertvolle Elemente enthielt, wurde es weitgehend oder vollständig in der Endfassung bewahrt.
Die beiden zentralsten Abschnitte der Kompilation sind die Śrāvaka-Stufe, die Materialien zu den lehrmäßigen Bedeutungen der Āgama-Sūtren sammelt, und die Bodhisattva-Stufe, die Materialien zu den Bedeutungen der Mahāyāna-Lehren ergänzt. Bei der Kompilation der Śrāvaka-Stufe gliederte Asaṅga die Materialien in vier Yoga-Stufen, die jeweils mehrere Themen umfassen. Angesichts des großen Materialumfangs ließen sich kleinere Inkonsistenzen zwischen den Abschnitten kaum vermeiden, doch bewahrte die Kompilation zugleich viele praktische Anweisungen und Lehren früher Yoga-Praktizierender.
Die Bodhisattva-Stufe ist ebenfalls in vier Yoga-Stufen gegliedert und versammelt die Kernbedeutungen der Mahāyāna-Sūtren, insbesondere die Darlegung der Bodhisattva-Gelübde. Auf die Bodhisattva-Stufe folgen die Stufe mit verbleibender Anhaftung und die Stufe ohne verbleibende Anhaftung, die nur kurz die Fruchterkenntnisse der Arhat-Bhikṣus beschreiben. Diese Fruchtrealisierungen schließen unmittelbar an die Śrāvaka-Stufe an, weshalb deutlich wird, dass die Bodhisattva-Stufe in einem späteren Stadium erweitert und kompiliert wurde.
Die beiden dem Śrāvaka-Boden vorangehenden Böden – der Boden der fünf Sinnesbewusstseine und der mentale Boden – behandeln grundlegende Themen im Zusammenhang mit den sechs inneren Sinnesgrundlagen und bilden eine in sich geschlossene Einheit, die das Verständnis der Yoga-Praktizierenden von „Erkenntnisobjekten“ widerspiegelt. Die drei Böden, zu denen auch der Boden mit Untersuchung und Analyse zählt, legen die Bedeutungen von Befleckungen und damit zusammenhängender Themen detailliert dar und bilden ebenfalls eine in sich geschlossene Einheit. Der Boden der meditativen Versenkung, der Boden der nicht-meditativen Versenkung sowie die beiden Böden des Geistes und des Nicht-Geistes behandeln Themen im Zusammenhang mit meditativer Versenkung und bilden eine weitere in sich geschlossene Einheit. Der Boden des aus Hören gewonnenen Wissens, der Boden des aus Reflexion gewonnenen Wissens und der Boden des aus meditativer Kultivierung gewonnenen Wissens bilden eine eigenständige Einheit; die fünf Wissenschaften sind im Boden des aus Hören gewonnenen Wissens enthalten. Innerhalb dieses Abschnitts werden im Rahmen der Dialektik (hetuvidyā) die Natur der Debatte, ihr Rahmen, ihre Grundlage, ihre Schmückungen, die Niederlage in der Debatte sowie die Möglichkeit, einer Debatte zu entgehen, detailliert erörtert. Asaṅga hat dieses Material ebenfalls in seiner Darlegung der erhabenen Lehre (Bd. 11) aufgenommen.
Die drei Böden, zu denen auch der Boden mit Untersuchung und Analyse zählt, enthalten zudem eine ausführliche Darstellung von sechzehn Arten heterodoxer Anschauungen, die Asaṅga ebenfalls in seiner Darlegung der erhabenen Lehre (Bd. 9 und 10) aufgenommen hat.
Die innere Wissenschaft (adhyātma-vidyā) im Boden des aus Hören gewonnenen Wissens bietet eine kurze Erläuterung der buddhistischen Kategorien, die von einem Dharma bis zu zehn Dharmas reichen. Der Boden des aus Reflexion gewonnenen Wissens führt Verse an und erläutert die von ihnen gemeinten Bedeutungen. Der Boden des aus meditativer Kultivierung gewonnenen Wissens behandelt die Kultivierung von Gegengiften, sämtliche Formen weltlicher und überweltlicher Reinigung. All dies bildet die Weisheit, die aus Hören, Reflektieren und meditativer Kultivierung erwächst und die Yogapraktizierende kultivieren sollten; es besitzt zudem inneren Wert, weshalb Asaṅga es zu einer einzigen Einheit zusammengefasst hat.
Mit Ausnahme des Bodhisattva-Bodens und einiger Teile der Lehre vom Speicherbewusstsein (ālaya-vijñāna) stammt der Lehrinhalt der siebzehn Böden des Grundlegenden Abschnitts weitgehend aus den Āgama-Sūtras. Der größte Teil des Materials der siebzehn Böden wurde von Asaṅga bearbeitet, während einige Themen ursprünglich von ihm stammen; eine strikte Unterscheidung zwischen beiden ist von Natur aus schwierig.
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Asaṅga erstellte ferner für jeden der siebzehn Böden im Grundabschnitt eine differenzierte Analyse und Ergänzung und fasste sie in der dreißig Bände umfassenden Sammlung des Abschnitts der Unterscheidungsanalyse zusammen. In diesem Abschnitt legt er zahlreiche seiner eigenen doktrinalen Positionen dar; so begründet er etwa im Boden der fünf Sinnesbewusstseine und im Mentalen Boden anhand von acht Aspekten die Existenz des Speicherbewusstseins (ālaya-vijñāna). Dieses Thema fand auch Aufnahme in seine Darlegung der erhabenen Lehre. Bei der Analyse des Bodhisattva-Bodens griff Asaṅga umfassend auf das Saṃdhinirmocana-Sūtra zurück, um den Inhalt des Bodhisattva-Pfades zu ergänzen, und erläuterte zudem die sechzehn Pforten des Ratnakūṭa-Sūtra.
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Wie sollen die Āgama-Sūtras ausgelegt werden? Welche Regeln gelten für die exegetische Erklärung? Gestützt auf traditionelle indisch-buddhistische exegetische Methoden, verfasste Asaṅga die zwei Bände umfassende Sammlung des exegetischen Abschnitts, die anhand von fünf Kategorien einheitliche Erklärungen für sämtliche buddhistische Sūtras liefert und dabei das Ugraparipṛcchā-Sūtra als Beispiel heranzieht. Asaṅga bezog diese Abhandlung auch in die Bände 12 und 13 seiner Darlegung der erhabenen Lehre ein.
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Nach dem Parinirvāṇa des Buddha schufen dessen Jünger „variante Bezeichnungen", um die zahlreichen Fachtermini in den Āgama-Sūtras zu kategorisieren und zu erklären. Diese knappen Abhandlungen wurden über Generationen hinweg von Lehrer zu Schüler weitergegeben und gelangten schließlich in Asaṅgas Besitz, der sie als zwei Bände umfassende Sammlung des Abschnitts der varianten Termini in das Yogācārabhūmi-śāstra integrierte.
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In ähnlicher Weise arbeiteten buddhistische Jünger, die die doktrinalen Prinzipien des Saṃyukta-Āgama beherrschen wollten, die Skandha-, Āyatana-, Pratyaya- und Mārga-Abschnitte der Reihe nach durch und zogen jeweils die wesentliche Bedeutung heraus. Daraus ging die Sūtra-mātṛkā hervor — die „Matrix der Sūtras". Die Abhandlung gelangte schließlich zu Asaṅga, der sie im Sūtravyākhyāna-Abschnitt des Yogācārabhūmi-śāstra als Sūtra-Material einordnete. Daneben stand die Vinaya-vyākhyāna-mātṛkā — die „Matrix des Vinaya" —, die die wesentlichen Lehren des Pratimokṣa-Sūtra destillierte und im selben Abschnitt als Vinaya-Material platziert wurde. Um die Sammlung zu vervollständigen, fügte Asaṅga die kurze Abhandlung Dharma-lakṣaṇa-mātṛkā hinzu, die in knapper Form die Lehren von Saṃsāra und Nirvāṇa, von Befleckung und Reinigung versammelte. So kam der Sūtravyākhyāna-Abschnitt des Yogācārabhūmi-śāstra — sechzehn Faszikel insgesamt — zustande. Wer erstmals die wesentlichen Bedeutungen dieser Sūtras und Vinayas herausgearbeitet hat, wird in einer Tradition dem Ehrwürdigen Mahākāśyapa zugeschrieben.
Sowohl in der chinesischen als auch in der tibetischen Übersetzung des Yogācārabhūmi-śāstra erscheinen Vyākhyāyukti und Sūtravyākhyāna in umgekehrter Reihenfolge; dies deutet lediglich darauf hin, dass beide im frühen Indien unabhängig voneinander zirkulierten.
Kurz gesagt, Asaṅga stellte zunächst den Bhūmivastu-Abschnitt um die Praxis der Yogins zusammen, unterzog dessen Inhalte sodann einer systematischen Analyse in der Viniścayasaṃgrahaṇī und versammelte schließlich Vyākhyāyukti, Paryāyasaṃgraha und Sūtravyākhyāna, um das umfangreiche Yogācārabhūmi-śāstra hervorzubringen — ein Werk, das den Śrāvaka-Pfad und den Bodhisattva-Pfad gleichberechtigt nebeneinanderstellt.
Der Xiǎnyáng Shèngjiào Lùn hingegen war um den Bodhisattva-Pfad herum organisiert. Aus dem Bhūmivastu-Abschnitt des Yogācārabhūmi-śāstra zog Asaṅga die wesentlichen Lehren heraus und ordnete sie in das „Saṃgraha-vastu-Kapitel" (Faszikel 1–4) sowie das „Saṃgraha-śuddhārtha-Kapitel" (Faszikel 5–8) ein. Beispielsweise wurde die śīla-saṃvara (moralische Zucht) aus dem ersten Yoga-Boden der Śrāvaka-bhūmi in die „Unterscheidende Analyse der Disziplin überlegener ethischer Schulung" in Faszikel 7 eingewoben; der laukika-mārga (weltlicher Pfad) aus dem vierten Yoga-Boden wurde daneben im selben Faszikel platziert; und das Bodhisattva-guṇa-Kapitel der Bodhisattva-bhūmi ging in Faszikel 8 ein. Er fuhr fort, die sechzehn heterodoxen Lehren aus dem Bhūmivastu in den Faszikeln 9–10 des „Saṃgraha-śuddhārtha-Kapitels" zu organisieren, die hetu-vidyā (Logik und Epistemologie) aus dem Bhūmivastu in Faszikel 11 zusammenzustellen und die Vyākhyāyukti in die Faszikel 12–13 desselben Kapitels einzufügen. Daran schloss sich eine Reihe kurzer Abhandlungen an — die Kapitel Kauśalya-siddhi, Anitya-siddhi, Duḥkha-siddhi, Śūnyatā-siddhi, Ansvabhāva-siddhi, Abhisamaya-siddhi, Yoga-siddhi und Acintya-siddhi —, die der Reihe nach über die Faszikel 14 bis zum ersten Teil von Faszikel 17 niedergelegt wurden. Zuletzt wurden die wesentlichen Lehren der Viniścayasaṃgrahaṇī als „Saṃgraha-viniścaya-Kapitel" zusammengestellt, das vom zweiten Teil von Faszikel 17 bis Faszikel 20 reicht. Damit war der Zweck des Werks, „die heilige Lehre zu offenbaren", endlich erfüllt.
VI. Schluss
Die bisherige Diskussion zeigt, dass Asaṅgas Arbeit am Yogācārabhūmi-śāstra auf zwei Ebenen verlief. Auf der einen bearbeitete und bewahrte er wichtige ältere Materialien, die um die Lehren und Praktiken der Āgamas kreisten; auf der anderen unterzog er sie einer neuen Analyse und Ergänzung – vor allem durch die ausführliche Behandlung der Bodhisattva-bhūmi. Der Abschnitt Bhūmivastu, der ursprünglich auf den Śrāvaka-Pfad ausgerichtet war, wurde so zu einem Werk umgestaltet, das dem Bodhisattva-Pfad gleichermaßen Gewicht verleiht. Als Asaṅga den Xiǎnyáng Shèngjiào Lùn zusammenstellte, war der Bodhisattva-Pfad zum ordnenden Prinzip geworden.
Woher stammten Asaṅgas Materialien? Am wahrscheinlichsten von einem großen Yogi jener Zeit, der als Bodhisattva Maitreya bekannt war – weshalb die chinesische Übersetzung den Yogācārabhūmi-śāstra als „von Bodhisattva Maitreya gesprochen" angibt. Es war Maitreya, der Asaṅga auf den Bodhisattva-Pfad führte und damit den Weg dafür öffnete, dass ein umfangreiches Korpus mahāyānistischer Kommentarliteratur spätere Generationen erreichte. Der Yogācārabhūmi-śāstra selbst wurde genau in dem Moment zusammengestellt, als Asaṅga selbst zum Mahāyāna fand. Inhaltlich bewahrt er vieles, was in den Lehren und praktischen Disziplinen der Āgama-Tradition von Wert ist; der Xiǎnyáng Shèngjiào Lùn wiederum offenbart die wesentlichen Praktiken und Lehren, die ein Bodhisattva-Praktizierender im Hinblick auf die heilige Lehre kultivieren sollte. Zusammen bilden die beiden Abhandlungen Marksteine ihrer Zeit in Indien.
Fußnoten:
1、Yogācārabhūmi-śāstra, gesprochen von Bodhisattva Maitreya, übersetzt von Xuanzang, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, Nr. 1579.
2、Yogācārabhūmi-śāstra, verfasst von Bodhisattva Asaṅga, [Tibetische Derge-Ausgabe], Nr. 4035-4042.
3、Daśa-bhūmika-śāstra (Abhandlung über die siebzehn Stufen), übersetzt von Paramārtha, heute verloren.
4、Bodhisattva-bhūmi-dhāraṇa-sūtra, übersetzt von Dharmarakṣa, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, Nr. 1581.
5、*Niṣcaya-saṃgraha* (Abhandlung, die den Schatz auflöst), übersetzt von Paramārtha, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, Nr. 1584.
6、*Xiǎnyáng Shèngjiào Lùn* (Abhandlung, die die heilige Lehre offenbart), verfasst von Bodhisattva Asaṅga, übersetzt von Xuanzang, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, Nr. 1603.
7、Yogācārabhūmi-śāstra-bhāṣya, verfasst von Jinaputra und anderen, übersetzt von Xuanzang, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 885a, Nr. 1580.
8、„Das buddhistische Wissenssystem, das in den Āgama-Sūtras aufgebaut wird", Lin Chong'an, in den Konferenzakten des „Buddhist Knowledge Management Symposium", herausgegeben von der Gayāsīṃha Foundation, 2002.
9、*Saṃyuktāgama-śāstra-saṃdhāya* (Zusammengestellte Sammlung des Saṃyukta Āgama und seiner Kommentar-Abhandlungen), herausgegeben von Meister Yinshun, Zhengwen-Verlag, 1983.
10、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 499b.
11、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 765a.
12、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 429a.
13、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 865b.
14、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 686b.
15、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 859b.
16、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 687c.
17、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 761c.
18、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 418c.
19、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 753a.
20、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 441b.
21、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 461c.
22、Yogācārabhūmi-śāstra, Taishō Tripiṭaka Bd. 30, 279a.
(Veröffentlicht in Fǎguāng Lùntán [Forum des Dharma-Lichts], 2002)