Einmal angekommen, lass das Floß los; Noch nicht angekommen, brauchst du noch das Boot
[Tang] Chan-Meister Guishan Zhengyuan
Erster Vers: Für seine Schüler gegeben
[Tang] Chan-Meister Guishan Zhengyuan
Wie oft schon hat sich das weite Meer in Maulbeerfelder verwandelt –
Nur der leere Raum allein leuchtet klar und still.
Wer das Ufer erreicht hat, lässt das Floß los;
Wer noch nicht hinüber ist, braucht noch das Boot.
Der Chan-Meister Guishan Zhengyuan aus Changxi in Fuzhou stammte aus Nanling in Xuanzhou und trug den Familiennamen Cai. Schon als Kind war er der Welt überdrüssig, verließ sein Elternhaus und ließ sich im Jishan-Kloster seiner Heimatpräfektur tonsurieren. Im zwölften Jahr der Yuanhe-Ära empfing er im Qianyuan-Tempel in Jianzhou die volle Ordination. Später suchte er Chan-Meister Lingmo von Wuxie auf und vertiefte sich in die tiefgründigsten und subtilsten Fragen. Im zehnten Jahr der Xiantong-Ära starb er auf dem Guishan im Alter von achtundsiebzig Jahren, nach vierundfünfzig Jahren als Mönch. Auf kaiserliches Dekret erhielt er posthum den Titel „Xingkong Daishi“ (Meister Xingkong, „Natur-Leerheit“).
„Wie oft schon hat sich das weite Meer in Maulbeerfelder verwandelt“ – diese Eröffnungszeile zeigt, dass alle Phänomene trügerisch und vergänglich sind. Alles im Universum ist in beständigem Wandel, steigt und sinkt, ist weit oder klein; nirgendwo findet sich eine dauerhafte, unveränderliche Substanz oder eine feste Selbstnatur. „Nur der leere Raum allein leuchtet klar und still“ – der leere Raum dient als Gleichnis für den wunderbaren, leuchtenden wahren Geist, den die Buddhas erweckt haben. Obwohl das blaue Meer längst Maulbeerhainen gewichen ist, bleiben unsere Soheit, unsere Buddha-Natur, dieser wunderbare, leuchtende wahre Geist für immer klar und hell – beständig, selig, erfüllt vom wahren Selbst und rein. Dies ist das wahre Antlitz, das alle Wesen von Natur aus besitzen, die grundlegende Wahrheit, die die Buddhas verwirklicht haben.
„Wer das Ufer erreicht hat, lässt das Floß los; wer noch nicht hinüber ist, braucht noch das Boot.“ Heilige, die die Geduld des ungeborenen Dharma verwirklicht und das jenseitige Ufer des Nirwana erreicht haben, können zwar die verschiedenen geschickten Mittel des Dharma beiseitelassen und nicht länger an den Lehren selbst haften. Doch sollten sie sich nicht an der Stille der „ruhigen Erlöschung“ berauschen und sich selbstzufrieden in einem Zustand leerer Ruhe einrichten. Unzählige Wesen haben die Überfahrt noch nicht vollendet, und so sollten sie das Boot wenden und mit mitfühlendem Gelübde all jene, die die Affinität teilen, hinübertragen.