Ehrwürdiger Meister Gangxiao: Zen-Siebentage-Vortrag – Den Namen des Buddha mit den Drei Herzen rezitieren
Amitabha. Segenswünsche an alle Meister.
Amitabha. Segenswünsche an alle Meister.
Wir hatten eigentlich vorgehabt, den alten Meister heute zum Vortrag einzuladen, aber es hat nicht geklappt – wir waren alle enttäuscht. Also muss ich wohl wieder einmal vor mich hin plappern. Ich rede jetzt schon seit Tagen nur auf euch alle ein. Ob es jemandem etwas gebracht hat, weiß ich nicht, aber den Klang meiner eigenen Stimme bin ich jedenfalls leid. Am Anfang habe ich die zwei Gründe genannt, warum wir einen Sieben-Tage-Kurs abhalten. Dann sagte ich, dass „sieben" dem Manas-Bewusstsein entspricht, und dass ihr, solange ihr niemanden stört, einfach weitermachen könnt mit dem, was ihr gewohnt seid – Mantras chanten, den Buddha-Namen rezitieren, Chan erforschen – all das zählt im weiteren Sinne als Sieben-Tage-Kurs.
Gestern habe ich erwähnt, dass man, wenn man sich in der Praxis wirklich anstrengt, anfängt, verschiedene Zustände zu sehen. Wie beurteilt man, ob sie echt sind? Wenn es ein wahrer Buddha ist, hat der wahre Buddha „die mitfühlende Kraft zu segnen und zu schützen, sodass das Herz ungestört bleibt". Wenn wir also den Buddha sehen und unser Herz trotzdem abschweift und die Konzentration verliert, dann läuft ganz sicher etwas schief. All dies allerdings ist Theorie für den allgemeinen Sieben-Tage-Kurs, nicht speziell für unseren Buddha-Rezitations-Kurs. Aber als ich euch früher buddhistische Logik vermittelte, erwähnte ich das Prinzip der inneren Durchdringung – die Prinzipien, die für einen gewöhnlichen Sieben-Tage-Kurs gelten, gelten ebenso für einen Buddha-Rezitations-Kurs. Manche von euch mögen sich dabei immer noch etwas unsicher fühlen, deshalb werde ich heute speziell über den Buddha-Rezitations-Kurs sprechen.
Habt Geduld mit mir – ich rede einfach drauflos.
Heute möchte ich darüber sprechen, den Buddha-Namen mit den Drei Herzen zu rezitieren. Was sind die Drei Herzen? Das erste ist das Aufrichtige Herz, das zweite das Tiefe Herz, und das dritte das Herz der Widmung und des Gelübdes. Tatsächlich sind die Drei Herzen für die Rezitation des Buddha-Namens eigentlich nur Glaube und Gelöbnis; die eigentliche Rezitation ist die Praxis.
Der „Glaube" in der Dreiheit von Glaube, Gelöbnis und Praxis bedeutet Glaube an das Reine Land der Höchsten Glückseligkeit und Glaube an Amitabha Buddha. Das „Gelöbnis" ist das Gelöbnis, im Reinen Land wiedergeboren zu werden und Amitabha von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Wenn ihr ohne Glauben und Gelöbnis rezitiert, werdet ihr nicht wiedergeboren. Die Tiefe eurer Buddha-Rezitations-Praxis bestimmt die Stufe eurer Wiedergeburt.
Das Aufrichtige Herz unter den Drei Herzen bedeutet vollkommene Aufrichtigkeit. „Aufrichtig" ist einfach, schlicht, ehrlich – aber unsere Herzen sind heutzutage ganz und gar nicht aufrichtig. Sie sind krumm und verdreht, voller Tricks, schmieden ständig Ränke und hecken Pläne aus. Das macht uns verlogen, den ganzen Tag Masken tragend. Wenn ihr also rezitiert, haltet euch fest an den Buddha-Namen. Versucht nicht, irgendwelche Tricks anzuwenden. Glaubt ihr wirklich, ihr könnt Amitabha Buddha mit euren kleinen Spielchen überlisten? Ihr könnt es nicht. Vor seiner Gegenwart könnt ihr nur gerade und schlicht sein. Lasst den Buddha-Namen aus eurem Mund kommen, in eure Ohren eintreten und in euer Herz zurückfließen – Mund und Herz in Einklang. Wenn sie nicht übereinstimmen, wird es nicht funktionieren.
Das Tiefe Herz, sagt Meister Shandao, ist schlicht Glaube. Ihr müsst Amitabha Buddha sehen – keine Alternative, niemand anderes wird's tun.
Das Herz der Widmung und des Gelübdes: Widmung bedeutet, all unser Verdienst dem Westlichen Reinen Land zu widmen. Wir Buddhisten reden so viel über Widmung, dass das Wort jede Bedeutung verloren hat – und die meisten von uns verstehen es immer noch nicht wirklich. Nehmt Geld als Beispiel: Wenn ihr etwas verdient und es verwendet, um eure Eltern zu unterstützen, dann widmet ihr euren Verdienst euren Eltern. Wenn ihr eure ganze Familie unterstützt, ist das Widmung an eure Familie. Gebt ihr es einem Bettler, ist es Widmung an den Bettler. Gebt ihr es den Drei Juwelen, ist es Widmung an die Drei Juwelen. Manche Leute verdienen ein wenig und geben alles für sich selbst aus – das ist Widmung an sich selbst. Noch schlimmer sind jene, die ihr Geld in einer Schublade verschließen, zu geizig, es für irgendjemanden auszugeben, nicht einmal für sich selbst. Das ist überhaupt keine Widmung – die reinste Verschwendung.
Nun müssen wir all unser Verdienst dem Reinen Land der Höchsten Glückseligkeit widmen.
Rezitiert ihr den Namen des Buddha mit diesen drei Geisteshaltungen, ist eure Wiedergeburt sicher. Die Rezitation mit diesen drei Geisteshaltungen bleibt Glaube, Gelübde und Praxis. Heute gibt es die sogenannte Schule des Ursprünglichen Gelübdes, die allein den Glauben betont. Ursprünglich jedoch sind Glaube, Gelübde und Praxis wie die drei Beine eines Dreibeins – und ein Dreieck ist nun einmal die stabilste Form, die es gibt. Glaube, Gelübde und Praxis sind die drei Beine dieses heiligen Gefäßes; nur wenn alle drei im Gleichgewicht sind, steht es stabil. Die Schule des Ursprünglichen Gelübdes hat das Glaubensbein verlängert. Ist ein Bein länger als die beiden anderen, neigt sich das Ganze zur Seite. Neigt es sich weit genug, stürzt es um.
Heutzutage kritisieren viele Menschen die Schule des Ursprünglichen Gelübdes. Erst vor wenigen Tagen hat Ehrwürdiger Meister Rende eine Untersuchung eingeleitet. Als ich früher die Zeitschrift Gan Lu redigierte, hat mir Rende einmal einen Brief des alten Shanghai-Laien Zheng Songying weitergeleitet. Darin empfahl Zheng einen Artikel, der die Schule des Ursprünglichen Gelübdes kritisierte. Die Hauptfigur dieser Schule ist Sheng Su, der selbst Rendes Schüler ist. Wie sollte ein Meister auch alles kontrollieren, was sein Schüler tut? Der Artikel war sehr lang, doch nachdem ich ihn gelesen hatte, fand ich ihn problematisch. Was er sagte, war nicht vollends falsch, allein die Logik des Artikels selbst hinkte. Die Schule des Ursprünglichen Gelübdes erwähnt Gelübde und Praxis vielleicht selten oder übergeht sie ganz, aber sie leugnet sie nicht. Man muss den Menschen schon vollständig zuhören. Der Artikel behauptet, die Schule des Ursprünglichen Gelübdes leugne Gelübde und Praxis, doch etwas nicht zu erwähnen ist nicht dasselbe, wie es zu leugnen. Was soll das für eine Logik sein? Wenn ich zu euch sage: „Ihr habt Hände" – und eure Füße mit keinem Wort erwähne, könnt ihr euch doch nicht umdrehen und behaupten, ich hätte gesagt, ihr habt keine Füße. Wie soll das vernünftig sein? Ich schlug Überarbeitungen vor und rief den Autor an, um mit ihm darüber zu sprechen. Der Autor sagte: „Du bist doch noch ein Kind, wie kannst du einen Artikel eines Älteren einfach ändern?" Mir blieb da nichts. Doch später sah ich den Artikel in einer Zeitschrift erscheinen. Na gut, veröffentlicht ist veröffentlicht.
Rezitiert ihr den Namen des Buddha mit diesen drei Geisteshaltungen, ist eure Wiedergeburt gewiss. Wenn ihr nicht wiedergeboren werdet, muss es daran liegen, dass es euch an wahrem Glauben und aufrichtigem Gelübde fehlt. Warum? Weil der Buddha aus dem Geist entsteht und der Geist durch den Buddha begründet wird. Spricht man vom Geist, so ist der ganze Buddha der Geist. Spricht man vom Buddha, so ist der ganze Geist der Buddha. Weil der ganze Buddha der Geist ist, gibt es keinen Buddha außerhalb des Geistes. Weil der ganze Geist der Buddha ist, gibt es keinen Geist außerhalb des Buddha. Buddha und Geist sind nicht verschieden, Geist und Buddha sind nicht verschieden; der Buddha ist der Geist, und der Geist ist der Buddha. Manche von euch werden einwenden: Ist das nicht Chan-Buddhismus? Ja, das ist es. Dann werdet ihr weiter fragen: Aber wir sprechen hier vom Reinen Land, warum schweift ihr dann ins Chan ab? Der einzige Unterschied zwischen Chan und Reinen Land ist die Methode der Praxis – sie waren seit jeher ein und dasselbe. Buddha und Geist sind nicht zwei. Also ist Amitabha-Buddha der Buddha eures eigenen Geistes, und euer Geist, der den Namen des Buddha rezitiert, ist der Geist im Buddha.
Der Buddha durchdringt den gesamten Raum und die gesamte Zeit – das ist unbegreiflich. Auch der Geist ist unbegreiflich. Der Buddha ist der Buddha des Geistes; der Geist ist der Geist des Buddha. Der Geist verlässt nie den Buddha, der Buddha verlässt nie den Geist. Den Namen des Buddha zu rezitieren heißt, mit dem eigenen Buddha-Geist jenen Geist zu rezitieren, der euer eigener Buddha ist. Wer in trügerisches Denken und Unterscheidung verfällt und den Buddha außerhalb des Geistes oder den Geist außerhalb des Buddha sucht, geht den Weg der Außenstehenden.
Zuletzt, um euch vor Irrwegen zu bewahren, bleibt euch nur, euch an die drei Geisteshaltungen zu halten: den Aufrichtigen Geist, der sich niemals beugt, den Tiefen Geist, der niemals zurückweicht, den Geist der Widmung und des Gelübdes – und dann den Namen des Buddha mit ungeteiltem Geist zu rezitieren.
Manche behaupten: Das Reine Land sei nicht real, es liege bereits in unserer eigenen Natur, und Amitabha Buddha sei nichts als eine Trugstadt. Irren sie sich? Natürlich irren sie sich! Früher habe ich euch schon gesagt, das Reine Land sei eine Trugstadt. Heute wiederhole ich es euch: Wer behauptet, das Reine Land sei eine Trugstadt, irrt sich. Warum? Unsere Natur birgt die Zehn Dharma-Bereiche in sich. Diese umfassen die sechs Pfade sowie die vier edlen Bereiche der Śrāvakas, Pratyekabuddhas, Bodhisattvas und Buddhas. Worauf auch immer euer Geist unter den Zehn Dharma-Bereichen ruht, genau dieser Bereich wird der Ort, an dem ihr euch wiederfindet. Richtet sich euer Geist auf den Buddha, erscheint der Buddha-Bereich. Richtet ihr euch auf die drei üblen Pfade, wie sollte da der Buddha-Bereich vor euch auftauchen? Alle Dharma-Bereiche entstehen in Abhängigkeit von Bedingungen. Wenn ihr den Buddha-Bereich nicht anruft und er dennoch erscheint, widerspricht das dem Gesetz des bedingten Entstehens – und auch das ist falsch.
Manche behaupten auch: Es sei nicht nötig, Amitabha zu rezitieren, unser eigener Geist sei bereits der Buddha – bedeutet die Rezitation des Buddha-Namens nicht, den Buddha außerhalb des eigenen Geistes zu suchen? Darauf sage ich euch: Wenn die Rezitation des Buddha-Namens bedeutete, den Buddha außerhalb des Geistes zu suchen, dann hieße Nicht-Rezitieren doch, dass ihr den Geist außerhalb des Buddha sucht – oder etwa nicht? Denn wer den Geist außerhalb des Buddha sucht, geht ja davon aus, dass es einen Buddha außerhalb des Geistes gibt. Da es aber keinen Buddha außerhalb des Geistes gibt, warum solltet ihr den Buddha verlassen, um nach dem Geist zu suchen? Gibt es keinen Buddha außerhalb des Geistes, gibt es auch keinen Geist außerhalb des Buddha. Geist und Buddha sind nicht zwei.
Die Schule des Reinen Lands kennt natürlich auch einige „Lehren, die niemals an die Öffentlichkeit getragen werden“ – die ich euch allen heute noch nicht offenbaren kann. Der Grund, warum sie nicht weitergegeben werden, ist, dass ihr sie noch nicht zu tragen vermögt. Wann kann ich sie euch lehren? Das hängt von den passenden Bedingungen ab. Wenn ich sehe, dass einer von euch bereit ist, werde ich es ihm unter vier Augen lehren.
Der Weina hat erwähnt, dass ich immer etwas über die Zeit komme. Für heute machen wir an dieser Stelle Schluss.