Zen-Poesie – Kaltes Eis erstarrt in der Flamme
[Tang] Chan-Meister Caoshan Benji
Hymne zur Einheit von Herr und Vasall
[Tang] Chan-Meister Caoshan Benji
In Flammen erstarrt kaltes Eis; Weidenkätzchen fliegen im neunten Monat. Ein Lehmochse brüllt auf des Wassers Antlitz, Ein Holzpferd wiehert, dem Wind nachjagend.
Dieses Gedicht offenbart voll und ganz den Bereich des Soheits-Prinzip-Leibes. Es durchschneidet jegliches Überlegen, löst alle Unterscheidung auf und liegt jenseits gewöhnlichen Denkens. Betrachtet man die Fünf Ränge von Herr und Vasall der Caodong-Schule, entspricht das Gedicht dem „Kommen aus der Mitte" unter den Fünf Rängen des Korrekten und des Voreingenommenen — also dem Schauen des Dharma-Leibes der Soheit: weder befleckt noch rein, weder korrekt noch voreingenommen. Was in der Welt der Erscheinungen niemals existieren könnte, tritt hier lebendig hervor. Dies ist der wundersame, unbegreifliche Bereich des Schauens des Weges.
Das Kompendium der wesentlichen Punkte der Fünf Häuser enthält diese Stelle über das Schauen des Weges: „Wenn man hier ankommt, löst sich der gesamte Leib; indem man loslässt, vergisst man jegliche Anhaftung. Dann kann man das Ganze mit ganzem Sein schultern und voll und ganz auf sich nehmen; Inneres und Äußeres sind eins, ohne einen getrennten Leib — dies ist ‚Kommen aus der Mitte.'" Der Praktizierende hat nun den Dharma-Leib vollständig verwirklicht. Er lässt alles in der Welt der Erscheinungen los, ohne zurückzublicken, sitzt aufrecht, in ungekünstelter, müheloser Muße. Nachdem er die Welt der Erscheinungen vollständig aufgelöst hat:
„Der verdorrte Baum treibt Blüten jenseits der Kalpas und verbreitet die Aura eines lebendigen Frühlings; Rückwärts reitend auf Jadelephanten und Qilin, frei und in Muße kommend und gehend."
Dies ist eine Welt, in der „der Wind still ist und doch die Blüten weiter fallen; Vögel rufen, und der Berg wird noch abgeschiedener". Es ist eine Welt, in der jeder bereits ganz ist. Es ist eine Welt, in der kein einziges Wort gesprochen wird. In diesem Augenblick entfaltet sich wundersames Wirken von selbst — was sollte den Lehmochsen daran hindern, zum Mond zu brüllen, oder das Holzpferd, im Wind zu wiehern? Innerhalb dieses Soheits-Dharmadhātu, das die Welt der Erscheinungen völlig transzendiert, scheint der Mond hell und weht der Wind klar, eine einzige Weite aus Licht. Wie es heißt:
„Meister Wolkendecke versiegelt das geheime Wort — Jeder Versuch, darüber nachzugrübeln, spaltet den Schädel. In die Hände klatschend, schwingt man sich in den leeren Raum; Die Wolken teilen sich und offenbaren den Mond über dem Westfluss."