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Werde das Selbst, das nur du sein kannst

Der Chan-Meister Nanyue Huairang hatte einen Schüler namens Mazu. Während seines Aufenthalts im Prajna-Tempel verbrachte Mazu seine Tage im Schneidersitz meditierend, in tiefe Gedanken versunken. Schließlich trat Meister Huairang an ihn ...

Der Chan-Meister Nanyue Huairang hatte einen Schüler namens Mazu. Während seines Aufenthalts im Prajna-Tempel verbrachte Mazu seine Tage im Schneidersitz meditierend, in tiefe Gedanken versunken. Schließlich trat Meister Huairang an ihn heran und fragte: „Was erhoffst du dir, wenn du so dasitzt?"

„Ich möchte ein Buddha werden", erwiderte Mazu.

Als er dies hörte, nahm der Meister einen Ziegelstein und begann, ihn kräftig neben sich auf dem Boden zu schleifen.

„Meister, warum schleifst du diesen Ziegelstein?", fragte Mazu.

„Ich möchte ihn zu einem Spiegel schleifen", antwortete Huairang.

„Aber wie kann ein Ziegelstein jemals zu einem Spiegel geschliffen werden?", fragte Mazu.

„Wenn ein Ziegelstein nicht zu einem Spiegel geschliffen werden kann", sagte Huairang, „wie sollte dich dann das Sitzen mit gekreuzten Beinen zu einem Buddha machen?"

„Aber wie kann ich dann ein Buddha werden?", fragte Mazu.

„Stell dir einen Ochsen vor, der einen Karren zieht", erwiderte der Meister. „Wenn der Karren nicht mehr weiterrollt, schlägst du dann den Karren oder den Ochsen?"

Daraufhin erfuhr Mazu ein plötzliches, tiefes Erwachen.

Wenn einem Ziegelstein die wesenhafte Natur fehlt, ein Spiegel zu werden, kannst du ihn ewig schleifen, und er wird niemals reflektieren. Dieselbe Wahrheit gilt für Menschen. Du wirst immer du sein, und ich werde immer ich sein. Keine noch so große Verfeinerung oder bewusste Nachahmung kann uns je zu jemand anderem machen. Es besteht also kein Grund, andere um ihre Stärken zu beneiden oder sie wegen ihrer Schwächen herabzusetzen. Möglicherweise besitzt du sogar größere Stärken als die, die du bewunderst – du hast deine eigene leuchtende Seite einfach noch nicht erkannt. Und wenn du die Unzulänglichkeiten anderer verurteilst, ist es gut möglich, dass du genau dieselben Fehler begehst, in genau derselben Torheit gefangen bist. Du hast deine eigene dunkle Seite einfach noch nicht erkannt.